Feder & Herd

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February '12



XXX wer braucht das eigentlich?

with 3 Comments

Derzeit bin ich ein bisschen genervt. In den letzten Tagen bin ich sicherlich über ein knappes Dutzend "Twitter, wer braucht das eigentlich?"-Artikel gestolpert. Mehr oder weniger zufällig, denn eigentlich interessiert es mich auch einen feuchten Kehrricht wer Twitter wieso nicht zu brauchen glaubt.

Aber die Anhäufung brachte mich dann doch dazu die einzelnen Artikel zumindest mal zu überfliegen.

Tenor ist immer der Gleiche. Tausende Leute reden über irrelevante Sachen. Wie blöd!

Irgendwie.. kommt mir die Leier bekannt vor.

IRC, wer braucht das eigentlich? Wie blöd. Da labern die Leute ja nur Scheiß und verbringen viel Zeit mit Schwatzen.

So in etwa klang das vor 10-15 Jahren.

In dem IRC-Netzwerk in dem sich mein Arbeitschannel befindet, halten sich zur Minute 91989 Nutzer auf. Hm. scheint als würde IRC doch von ein paar Menschen genutzt werden. Ja! Arbeitschannel! Ihr habt richtig gelesen. Nur weil bei den Kritikern die Phantasie über was man sich im IRC unterhalten kann bei "Ich geh mal ein Ei legen" - "Viel Erfolg." aufhört, heisst es nicht dass sinnvolle Anwendungen nicht möglich sind.

Man kann sich nämlich in Echtzeit über die Arbeit austauschen, ohne dabei einen Telefonhörer zwischen Schulter und Wange klemmen zu müssen, oder die fernmündlich zugerufenen Referenz-URLs oder -ISBNs erst umständlich wieder eintippen zu müssen.

Das man via IRC auch moderierte Diskussionrunden veranstalten oder eLearning-Vorträge halten kann, dürfte selbst dem letzten Vollhorst-Kritiker klar geworden sein.

IMs, wer braucht das eigentlich? Naja, inzwischen 31 Millionen Benutzer alleine bei ICQ. Ganze Firmen lassen einen Teil ihrer Kommunikation inzwischen über IMs laufen. Huch. Eine sinnvolle Anwendung beisst mich in den Hintern!

Tja, und Twitter.. wer braucht das eigentlich?

Wie oben erwähnt unterhalten sich die Nutzer ja nur über unwesentliche Dinge.

Sicher. Ist total unwesentlich für Vollhorst-Journaille wenn ich bekannt gebe Rückenschmerzen zu haben. Das ich dadurch in Minutenschnelle einen Chiropraktiker in der Nähe empfohlen bekomme ist für mich allerdings sehr wesentlich. Spart mir ja nur mal alle entsprechenden Einträge der gelben Seiten durchzulesen und am Ende einen zu erwischen der zwar viele Termine frei hat.. aber nichts auf dem Kasten.

Twitter ist ein Werkzeug, wie so viele andere Kommunikationswerkzeuge auch. Hat man je gehört das ja kein Mensch eine Pinwand braucht weil sich niemand vorstellen kann, das man nicht nur "Susi ist doof"-Zettelchen daran aufhängen kann, sondern auch den aktuellen Stundenplan? Das man kein Telefon braucht weil "Wie gehts dir, mir gehts gut." ja eh niemanden interessiert? Keine Gehsteige weil der Nachbarsklatsch der darauf stattfindet total belanglos ist?

Jedes Kommunikationswerkzeug kann man sowohl für Brandwichtiges nutzen "Elbtunnel vollgelaufen. Weiträumig umfahren." als auch für Blödsinn: "Gehe pinkeln."

Aber nicht der Blödsinn macht ein Medium aus, sondern der Nutzen.

Mich deucht, die Artikelschreiber stellen auch ihr Radio zwischen zwei Kanäle und beschweren sich das es ja nur rauscht. Und während sie das tun, merken sie gar nicht das sie aus völliger Unkenntnis des so belegten Mediums heraus, produzieren was sie diesem Medium anlasten. Sie verstopfen die Kanäle mit irrelevanter, weil sachlich falscher und oberflächlicher heißer Luft.

Hauptsache was gesagt. Vielleicht sollten sie mit der Einstellung ja doch twittern?




Posted by Mela Eckenfels

03/13/2009 at 15:31:24

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Last modified on 2009-03-16 20:13