Entries tagged as gesellschaft
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Romanbeginn
"Wir schreiben das Jahr 2011. Das Volk ist in Aufruhr. Hunger, Arbeitslosigkeit, Korruption. Zuerst waren nur die Großstädte von den Aufständen betroffen. New York, Madrid, Kairo, Tel Aviv ... doch langsam breiten sie sich wie ein Steppenbrand aus."
Gratulation. Wir leben in einem dystopischen Roman.
Gestern bei der Blockade des Grundwassermanagements
Notmyhumanism II
Immer wenn als vorherrschende Gefühle "Mitleid" und "Mitgefühl" angegeben werden, geht es auf Kosten von Akzeptanz und Respekt. Auch der Akzeptanz von Aussagen wie:
"Nein, ich fühle mich nicht defekt. Ich möchte nicht repariert werden. Gib mir einfach die Hilfen die ich brauche."
"Nein, ich fühle mich nicht defekt. Ich möchte nicht repariert werden. Gib mir einfach die Hilfen die ich brauche."
Notmyhumanism
2. Kranke und Behinderte sollten mit allen Mitteln gefördert werden – Krankheit und Behinderung jedoch nicht! Ich halte diese Differenzierung nicht für „behindertenfeindlich“, sondern, ganz im Gegenteil, für „behindertenfreundlich“.
Quelle: Giordano Bruno Stiftung: Zur Debatte um Peter Singer
Heißt übersetzt: Eigentlich finden wir es total scheiße, dass es euch gibt. Aber wenn ihr schon mal da seid finden wir es humaner es euch ein bisschen netter zu machen. Lebenswert? Ach jetzt werdet aber nicht albern.
Giordano Bruno Stiftung #notmyhumanism
Noch ein Schmankerl gefällig?
Es ist völlig inakzeptabel (und behindertenfeindlich!), die Opfer dieses Massenmords mit ausselektierten Embryonen gleichzusetzen, die zu keinerlei Empfindungen fähig sind! Gerade diejenigen, die sich für die Rechte schwerstkranker oder behinderter Menschen einsetzen, sollten sich gegen derartige Vergleiche in aller Deutlichkeit zur Wehr setzen!
Quelle: Ist die Giordano-Bruno-Stiftung „behindertenfeindlich“?
Ausselektiert. Na dann.
(man ableism)
Verwandte Links:
Lieber Herr Gert G. Wagner ...
... im Interview mit der Tageszeitung gaben Sie Folgendes zum Besten:
Das Sie sich der Gefahren gar nicht bewusst sind, disqualifiziert Sie. Absichtlicher Diebstahl ist nicht das Problem. Menschliche Dummheit, Unachtsamkeit und Gedankenlosigkeit ist es. Zu Ihrer genehmen Lektüre sei Ihnen Die Chronik der Datenpannen empfohlen.
In diesem Sinne m(.
P.S.: Wenn tausende Zensus-Beauftragte durch die Lande tingeln, frage ich nicht ob Daten verloren gehen werden, sondern wieviele.
Wagner:
Es ist aber extrem unwahrscheinlich, dass die Zensusdaten gestohlen werden. Bei der Bundesagentur für Arbeit wird zum Beispiel für Millionen Erwerbstätige sogar das Einkommen abgespeichert. Diese für Werbezwecke sensationellen Daten wurden bisher auch noch nie gehackt.
Das Sie sich der Gefahren gar nicht bewusst sind, disqualifiziert Sie. Absichtlicher Diebstahl ist nicht das Problem. Menschliche Dummheit, Unachtsamkeit und Gedankenlosigkeit ist es. Zu Ihrer genehmen Lektüre sei Ihnen Die Chronik der Datenpannen empfohlen.
In diesem Sinne m(.
P.S.: Wenn tausende Zensus-Beauftragte durch die Lande tingeln, frage ich nicht ob Daten verloren gehen werden, sondern wieviele.
Tanzverbot
Karlsruhe, Ostersamstag, 23 Uhr. Die Glocken der Christuskirche bimmeln wie blöde. Vermutlich ist gerade die Osterfeier zu Ende gegangen. Ruhige, in Andacht versunkene Ostertage eben.
Vielleicht wäre es für nächstes Jahr eine Idee den Flashmob nicht still tanzen zu lassen, sondern zu den Kirchenglocken.
Vielleicht wäre es für nächstes Jahr eine Idee den Flashmob nicht still tanzen zu lassen, sondern zu den Kirchenglocken.
Erst wenn ...
Erst wenn die letzte Generation Präkariatskinder in der Hauptschule zu Tode gelangweilt wurde, die letzte Internetfirma aus dem Netz geklagt wurde, das letzte Know-How abgewandert und die letzte Uni verfallen ist, wird ihnen auffallen das Deutschland keine Bodenschätze hat.
Unausgegorenes zur Spackeria
(Post-Privacy ist bei mir ja mehr so gelebte [und oft um Unverständnis betrachtet oder kritisierte] Tatsache. Mich theoretisch mit Post-Privacy zu beschäftigen, gehört aber generell weniger zu meinen Interessen, deswegen ist das hier unausgegoren und nicht in Tagen fundierten Grübelns entstanden.)
Die Spackeria entstand aus dem natürlich guten Grund, dass da eine Ecke der Diskussion, alleine die Aufnahme der Diskussion abwertete. Wer über Post-Privacy öffentlich redet, begeht quasi Verrat an der wahren Sache, also dem Kampf um die Herrschaft über die privaten Informationen. Ein, wie ich finde, guter und wichtiger Kampf, denn gerade Behörden sind datenhungrig und wenden die zur Verfügung stehenden Daten sehr gerne zum Nachteil der Bürger an. (Ich hatte da sehr früh ein privates Erlebnis, auf das ich aber hier nicht näher eingehen möchte, da es nichts zur Sache beiträgt. Es hat aber dazu beigetragen, dass ich mir immer sicher war, dass meine Daten ohnehin Freiwild sind und ich würde mich nie auf die Verschwiegenheit einer Behörde oder die Anwendung geltende Gesetze verlassen.)
Datenschutz umgekehrt, kann zu einem scharfen Schwert der Kontrolle werden. Der Link dokumentiert nur ein Beispiel - da gäbe es noch mehr und noch stichhaltigere Vorkommnisse oder Politiker-Aussagen. Es gibt also durchaus gute Gründe Datenschutz kritisch zu sehen und über eine Reformierung nachzudenken.
Datenschutz als Götze oder Dogma nutzt niemandem.
Eine zu große Offenheit, erst recht wenn sie durch Gesetze oder auch nur gesellschaftliche Konventionen erzwungen wird, ist für nicht wenige Menschen eine unglaublich beklemmende Vorstellung. Gedanken an 1984 kommen schnell auf, wenn Daten gesammelt und zusammengefasst werden. Wenn sie eine kleine, mächtige Einheit in die Lage versetzt koordiniert zu agieren - egal ob es sich dabei um Polizei oder Geheimdienste handelt, Unternehmen oder Privatleute. Und hier ist es auch gleichgültig ob die Informationen öffentlich vorliegen, also freiwillig preisgegeben wurden oder ob sie erzwungen werden.
Erst gebündelte Informationen sind 'scharfgemacht'. Die Datenvariante von "Die Dosis macht das Gift".
Zudem - und nun kommen wir erst zur Spackeria - kann der Ruck zur neuen Offenheit genau diese Ängste entweder auslösen, oder verstärken. Unter anderem die Angst, dass die wichtige Arbeit, Staat und Wirtschaft vom übermächtigen Schnüffeln abzuhalten ausgehöhlt oder ganz beendet wird. Auch die Vorstellung, dass Privatleute in der Lage sind öffentliche Daten zusammenzuführen und so eine Art Privat-Indect zu betreiben, hat selbst dann nichts Lustiges an sich wenn man nicht von Stalking betroffen ist oder war. Und auch die Angst, dass das Torschlagargument "Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten" zur alltäglichen Realität wird. Das jemand, der sich in seinem höchst-persönlichen Lebensbereich bedroht fühlt unkontrolliert um sich beisst, ist ein schlichter Überlebensreflex.
Wenn nun technophile, junge Menschen (wie sie die Angehörigen der Spackeria nun mal sind) ihre alltäglich-banalen technischen Möglichkeiten nutzen um über ihr ureigenes Thema auf dem Laufenden zu bleiben und dann (scheinbar) wie eine Einheit reagieren, so ist das verständlich und nicht weiter verwunderlich.
Das man damit keinesfalls den Diplomatie-Nobelpreis gewinnt, ist ebenso wenig verwunderlich.
Unsere Gesellschaft ist nicht ideal und sie wird es auch noch lange nicht sein. Es muss immer erst Menschen geben, die sich in die Öffentlichkeit wagen (dort manchmal sogar Leib und Leben riskieren) um ein umstrittenes Thema zur gesamtgesellschaftlichen Normalität werden zu lassen. Den Prozess kann man nicht erzwingen. Man kann niemanden zur unfreiwilligen Offenheit zwingen. Zwang hat auch immer etwas Totalitäres.
Es geht hier um nicht weniger, als um pure, reale, ehrliche Existenzängste.
Daher wäre es vielleicht sinnvoll, die Menschen, die Angst vor der gesetzlich verankerten oder gesellschaftlich geforderten Offenheit haben, nicht als Paranoiker abzutun und ihre Ängste somit noch zu bestätigen. Sie, und ihre Bedenken an die Hand zu nehmen, statt sie auszulachen ... das wäre Größe.
Nur mal so als Anregung.
Die Spackeria entstand aus dem natürlich guten Grund, dass da eine Ecke der Diskussion, alleine die Aufnahme der Diskussion abwertete. Wer über Post-Privacy öffentlich redet, begeht quasi Verrat an der wahren Sache, also dem Kampf um die Herrschaft über die privaten Informationen. Ein, wie ich finde, guter und wichtiger Kampf, denn gerade Behörden sind datenhungrig und wenden die zur Verfügung stehenden Daten sehr gerne zum Nachteil der Bürger an. (Ich hatte da sehr früh ein privates Erlebnis, auf das ich aber hier nicht näher eingehen möchte, da es nichts zur Sache beiträgt. Es hat aber dazu beigetragen, dass ich mir immer sicher war, dass meine Daten ohnehin Freiwild sind und ich würde mich nie auf die Verschwiegenheit einer Behörde oder die Anwendung geltende Gesetze verlassen.)
Datenschutz umgekehrt, kann zu einem scharfen Schwert der Kontrolle werden. Der Link dokumentiert nur ein Beispiel - da gäbe es noch mehr und noch stichhaltigere Vorkommnisse oder Politiker-Aussagen. Es gibt also durchaus gute Gründe Datenschutz kritisch zu sehen und über eine Reformierung nachzudenken.
Datenschutz als Götze oder Dogma nutzt niemandem.
Eine zu große Offenheit, erst recht wenn sie durch Gesetze oder auch nur gesellschaftliche Konventionen erzwungen wird, ist für nicht wenige Menschen eine unglaublich beklemmende Vorstellung. Gedanken an 1984 kommen schnell auf, wenn Daten gesammelt und zusammengefasst werden. Wenn sie eine kleine, mächtige Einheit in die Lage versetzt koordiniert zu agieren - egal ob es sich dabei um Polizei oder Geheimdienste handelt, Unternehmen oder Privatleute. Und hier ist es auch gleichgültig ob die Informationen öffentlich vorliegen, also freiwillig preisgegeben wurden oder ob sie erzwungen werden.
Erst gebündelte Informationen sind 'scharfgemacht'. Die Datenvariante von "Die Dosis macht das Gift".
Zudem - und nun kommen wir erst zur Spackeria - kann der Ruck zur neuen Offenheit genau diese Ängste entweder auslösen, oder verstärken. Unter anderem die Angst, dass die wichtige Arbeit, Staat und Wirtschaft vom übermächtigen Schnüffeln abzuhalten ausgehöhlt oder ganz beendet wird. Auch die Vorstellung, dass Privatleute in der Lage sind öffentliche Daten zusammenzuführen und so eine Art Privat-Indect zu betreiben, hat selbst dann nichts Lustiges an sich wenn man nicht von Stalking betroffen ist oder war. Und auch die Angst, dass das Torschlagargument "Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten" zur alltäglichen Realität wird. Das jemand, der sich in seinem höchst-persönlichen Lebensbereich bedroht fühlt unkontrolliert um sich beisst, ist ein schlichter Überlebensreflex.
Wenn nun technophile, junge Menschen (wie sie die Angehörigen der Spackeria nun mal sind) ihre alltäglich-banalen technischen Möglichkeiten nutzen um über ihr ureigenes Thema auf dem Laufenden zu bleiben und dann (scheinbar) wie eine Einheit reagieren, so ist das verständlich und nicht weiter verwunderlich.
Das man damit keinesfalls den Diplomatie-Nobelpreis gewinnt, ist ebenso wenig verwunderlich.
Unsere Gesellschaft ist nicht ideal und sie wird es auch noch lange nicht sein. Es muss immer erst Menschen geben, die sich in die Öffentlichkeit wagen (dort manchmal sogar Leib und Leben riskieren) um ein umstrittenes Thema zur gesamtgesellschaftlichen Normalität werden zu lassen. Den Prozess kann man nicht erzwingen. Man kann niemanden zur unfreiwilligen Offenheit zwingen. Zwang hat auch immer etwas Totalitäres.
Es geht hier um nicht weniger, als um pure, reale, ehrliche Existenzängste.
Daher wäre es vielleicht sinnvoll, die Menschen, die Angst vor der gesetzlich verankerten oder gesellschaftlich geforderten Offenheit haben, nicht als Paranoiker abzutun und ihre Ängste somit noch zu bestätigen. Sie, und ihre Bedenken an die Hand zu nehmen, statt sie auszulachen ... das wäre Größe.
Nur mal so als Anregung.
Verwandte Links:
Wie Kulturschaffende Geld verdienen
Wie bereits mehrmals erwähnt, sind Kulturschaffende in der überwiegenden Mehrheit freiberufliche Unternehmer. Als solche unterliegen sie den Gesetzen des Marktes und der ist im Kulturbereich weniger vorhersagbar als beispielsweise im Bereich der IT-Beratung. Manche Kulturarbeiter produzieren fassbare Werke, wie Skulpuren oder Gemälde, manche weniger fassbare, weil kopierbare, Werke wie Bücher, Zeichnungen oder Musik.
Ein Autor, der von seinen Tantiemen leben möchte, muss wie am Fließband schreiben. Entweder für den Bereich der Heftromane, die am Bahnhofskiosk verkauft und ebenso nebenbei konsumiert werden wie die BILD, oder indem er sich schon einen Namen gemacht hat und durch Marketing und Ruf eine gewisse Lesergemeinde erworben hat.
Nicht jeder Autor ist Willens oder in der Lage dieses Tempo durchzuhalten. Beim Heftroman ist das ein Ausstoß von einem Roman in 3-4 Wochen. Also heißt für den durchschnittlichen Kulturschaffenden das Zauberwort: Mischkalkulation.
Wie in den Kommentaren zu diesem Artikel schon erwähnt, bedeutet es, dass ein Produzent einerseits "freie Werke" schafft, die von Anfang bis Ende seine Kopfgeburten sind, dass er aber zusätzlich Auftragsarbeiten annimmt. Ich will das hier mal "Pflicht" für Auftragsarbeiten und "Kür" für die 'freien Werke' nennen.
Konkret sieht es dann so aus, dass beispielsweise Petra A. Bauer die eigentlich Krimi- und Jugendbuchautorin ist, dann auch mal eine Kinderbroschüre zum Thema Solarenergie betextet oder Kolumnen für Magazine schreibt. Beim Comiczeichner Flix wären die "Heldentage" die Kür und Firmenmaskottchen oder Illustrationen für kommerzielle Publikationen die Pflicht.
Die Pflicht macht es vielen Kulturschaffenden erst möglich, sich zu professionalisieren und den Beruf eben nicht als Hobby zu betreiben. Sie ermöglicht den grundlegenden Selbsterhalt, Fortbildung, finanziert die Recherche für die Kür oder das Atelier. Damit die Mischkalkulation aber aufgehen kann, muß auch die Kür früher oder später zum gesamten Lebensunterhalt beitragen. Je weniger die Kür abwirft um so mehr muß ein Kulturschaffender auf der Pflicht-Seite hinzuverdienen.
Auf die Pflicht ganz zu verzichten, schaffen nur die 'Oberen Zehntausend'. Also die Kunstarbeiter, die über ihre Kunst durchaus zu Wohlstand oder Reichtum kommen können. Wer es 'schafft' und wer damit reich wird, hängt von vielen Faktoren ab und ein Großer nennt sich Zeitgeist.
Jeder Kulturschaffende, den ich näher kenne, liegt ständig im Kampf damit Pflicht und Kür ausbalanciert zu halten. Die Pflicht mit ihren engen Terminen, anspruchsvollen Auftraggebern und hohen Anforderungen, raubt zu oft der Kür die Zeit und Energie. Zumal die Kür dann ja irgendwie geschoben werden kann und die Pflicht eben nicht.
Künstler die es nicht 'geschafft' haben, müssen der Pflicht einfach zum Selbsterhalt einen größeren Spielraum einräumen, als ihnen selbst lieb ist - oder für ihr inneres Wohl gut ist.
Denn eigentlich will jeder Künstler das herauslassen, was in ihm schlummert und an die Oberfläche drängt. Das klingt nun melodramatisch, aber die Nicht-Kulturschaffenden die diesen Artikel lesen, müssen mir hier einfach mal glauben. Das ist so, und dieses innere Drängen kann manchmal verdammt weh tun.
Die Pflicht ist aber noch etwas anderes als 'lästige Pflicht' zum Erwerb des lebensnotwendigen Minimums:
Die Pflicht ist gesteuerte und kontrollierte Kultur.
Nehmen wir zum Beispiel einen Bildhauer. Auch ein Bildhauer würde sicherlich am Liebsten ständig an den Skulpturen arbeiten, die in hoch-inspirativen Momenten vor seinem inneren Auge entstehen. Eine wichtige Einkommensstütze für Bildhauer, sind aber die 5%, die beim Bau jedes neuen öffentlichen Gebäudes für Kunst ausgegeben werden müssen. Nun wird ein Bildhauer, der den Auftrag bekommt ein Bildnis für den Neubau des Finanzamtes zu schaffen, keine Statue schaffen können, die den Bürger im Würgegriff der Behörde darstellt.
Auch ein Künstler, der angestellt wird eines der bekannten, protzigen Gebilde zu erschaffen mit denen große Bankhäuser gerne den Vorgarten schmücken, wird kaum das Milliardengrab der Bankenrettung thematisieren können.
Auch öffentliche Gelder der Kulturförderung wurden schon oft genug zurückgezogen, wenn Kunstwerke Regierenden oder anderen einflußreichen Personen ein Dorn im Auge waren. Die damalige Regierung versuchte zum Beispiel gegen einen Literaturpreis für den Jugendroman "Die Wolke" zu intervenieren, weil er der Atompolitik in die Quere kam.
Auch wenn viele 'offene Kunstfreunde' gerne versuchen einen anderen Eindruck zu erwecken. Auftragswerke müssen immer auch dem Geschmack des Auftraggebers entsprechen und dürfen ihm nicht vor die Füße pinkeln. Man beisst nicht die Hand, die einen füttert.
Richtungsänderungen in der Kultur, sind nur durch freie Werke möglich, die ihre Chance haben müssen auf dem freien Markt ihre Liebhaber zu finden. Egal wie lange es dauert.
Die radikal neue Form der Malerei, mit der die Impressionisten dem damaligen Kunstverständnis mit offener Hand ins Gesicht schlugen, wäre nicht mit Auftragswerken erreicht worden.
Jeder der an den Möglichkeiten sägt freie Kunst unbehindert zu monetarisieren, muss sich bewusst sein, dass seine eigentliche Forderung lautet:
Ich will mehr kontrollierte, subventionierte und finanz-gesteuerte Kultur.
Ein Autor, der von seinen Tantiemen leben möchte, muss wie am Fließband schreiben. Entweder für den Bereich der Heftromane, die am Bahnhofskiosk verkauft und ebenso nebenbei konsumiert werden wie die BILD, oder indem er sich schon einen Namen gemacht hat und durch Marketing und Ruf eine gewisse Lesergemeinde erworben hat.
Nicht jeder Autor ist Willens oder in der Lage dieses Tempo durchzuhalten. Beim Heftroman ist das ein Ausstoß von einem Roman in 3-4 Wochen. Also heißt für den durchschnittlichen Kulturschaffenden das Zauberwort: Mischkalkulation.
Wie in den Kommentaren zu diesem Artikel schon erwähnt, bedeutet es, dass ein Produzent einerseits "freie Werke" schafft, die von Anfang bis Ende seine Kopfgeburten sind, dass er aber zusätzlich Auftragsarbeiten annimmt. Ich will das hier mal "Pflicht" für Auftragsarbeiten und "Kür" für die 'freien Werke' nennen.
Konkret sieht es dann so aus, dass beispielsweise Petra A. Bauer die eigentlich Krimi- und Jugendbuchautorin ist, dann auch mal eine Kinderbroschüre zum Thema Solarenergie betextet oder Kolumnen für Magazine schreibt. Beim Comiczeichner Flix wären die "Heldentage" die Kür und Firmenmaskottchen oder Illustrationen für kommerzielle Publikationen die Pflicht.
Die Pflicht macht es vielen Kulturschaffenden erst möglich, sich zu professionalisieren und den Beruf eben nicht als Hobby zu betreiben. Sie ermöglicht den grundlegenden Selbsterhalt, Fortbildung, finanziert die Recherche für die Kür oder das Atelier. Damit die Mischkalkulation aber aufgehen kann, muß auch die Kür früher oder später zum gesamten Lebensunterhalt beitragen. Je weniger die Kür abwirft um so mehr muß ein Kulturschaffender auf der Pflicht-Seite hinzuverdienen.
Auf die Pflicht ganz zu verzichten, schaffen nur die 'Oberen Zehntausend'. Also die Kunstarbeiter, die über ihre Kunst durchaus zu Wohlstand oder Reichtum kommen können. Wer es 'schafft' und wer damit reich wird, hängt von vielen Faktoren ab und ein Großer nennt sich Zeitgeist.
Jeder Kulturschaffende, den ich näher kenne, liegt ständig im Kampf damit Pflicht und Kür ausbalanciert zu halten. Die Pflicht mit ihren engen Terminen, anspruchsvollen Auftraggebern und hohen Anforderungen, raubt zu oft der Kür die Zeit und Energie. Zumal die Kür dann ja irgendwie geschoben werden kann und die Pflicht eben nicht.
Künstler die es nicht 'geschafft' haben, müssen der Pflicht einfach zum Selbsterhalt einen größeren Spielraum einräumen, als ihnen selbst lieb ist - oder für ihr inneres Wohl gut ist.
Denn eigentlich will jeder Künstler das herauslassen, was in ihm schlummert und an die Oberfläche drängt. Das klingt nun melodramatisch, aber die Nicht-Kulturschaffenden die diesen Artikel lesen, müssen mir hier einfach mal glauben. Das ist so, und dieses innere Drängen kann manchmal verdammt weh tun.
Die Pflicht ist aber noch etwas anderes als 'lästige Pflicht' zum Erwerb des lebensnotwendigen Minimums:
Die Pflicht ist gesteuerte und kontrollierte Kultur.
Nehmen wir zum Beispiel einen Bildhauer. Auch ein Bildhauer würde sicherlich am Liebsten ständig an den Skulpturen arbeiten, die in hoch-inspirativen Momenten vor seinem inneren Auge entstehen. Eine wichtige Einkommensstütze für Bildhauer, sind aber die 5%, die beim Bau jedes neuen öffentlichen Gebäudes für Kunst ausgegeben werden müssen. Nun wird ein Bildhauer, der den Auftrag bekommt ein Bildnis für den Neubau des Finanzamtes zu schaffen, keine Statue schaffen können, die den Bürger im Würgegriff der Behörde darstellt.
Auch ein Künstler, der angestellt wird eines der bekannten, protzigen Gebilde zu erschaffen mit denen große Bankhäuser gerne den Vorgarten schmücken, wird kaum das Milliardengrab der Bankenrettung thematisieren können.
Auch öffentliche Gelder der Kulturförderung wurden schon oft genug zurückgezogen, wenn Kunstwerke Regierenden oder anderen einflußreichen Personen ein Dorn im Auge waren. Die damalige Regierung versuchte zum Beispiel gegen einen Literaturpreis für den Jugendroman "Die Wolke" zu intervenieren, weil er der Atompolitik in die Quere kam.
Auch wenn viele 'offene Kunstfreunde' gerne versuchen einen anderen Eindruck zu erwecken. Auftragswerke müssen immer auch dem Geschmack des Auftraggebers entsprechen und dürfen ihm nicht vor die Füße pinkeln. Man beisst nicht die Hand, die einen füttert.
Richtungsänderungen in der Kultur, sind nur durch freie Werke möglich, die ihre Chance haben müssen auf dem freien Markt ihre Liebhaber zu finden. Egal wie lange es dauert.
Die radikal neue Form der Malerei, mit der die Impressionisten dem damaligen Kunstverständnis mit offener Hand ins Gesicht schlugen, wäre nicht mit Auftragswerken erreicht worden.
Jeder der an den Möglichkeiten sägt freie Kunst unbehindert zu monetarisieren, muss sich bewusst sein, dass seine eigentliche Forderung lautet:
Ich will mehr kontrollierte, subventionierte und finanz-gesteuerte Kultur.
Verwandte Links:
Long Tail
Als eine Errungenschaft des Internets gilt ja, dass es den Long Tail möglich gemacht hat. Also, den unproblematischen Absatz von Gütern die nur für eine kleine Zielgruppe von Interesse sind. Bei denen es sich daher für reguläre Anbieter nicht lohnt sie ins Programm zu nehmen, weil sie nicht in kurzer Zeit in großer Menge verkauft werden können. Weil sich die Investition nicht schnell genug amortisiert oder zuviel wertvoller Platz durch sprichwörtliche Ladenhüter blockiert wird.
Das Internet ermöglicht es aber, direkt den Hersteller von Aronia-Maracuja-Zimt-Marmelade in Hinter-Unter-Ohio zu erreichen, obwohl sie niemals im Edeka um die Ecke stehen würde. Es ermöglicht auch Autoren von Bücher für eine absolute Mini-Zielgruppe, diese an den Mann zu bringen. Die Investition amortisiert sich nicht auf kurze Sicht, aber auf lange Sicht reihen sich kleine Einnahmen zu einem größeren ganzen zusammen. Oder durch die größere Käuferschicht, die der Köchin fragwürdiger Marmeladenzusammenstellungen auf einmal offen steht.
10 Jahre Urheberrecht? Long Tail, my ass.
Es wird sich einfach nicht mehr lohnen, Bücher für eine Mini-Zielgruppe zu schreiben. Wer hat gewonnen, wenn das Kulturgut, dass gefälligst einverleibt und weiterverarbeitet werden soll erst gar nicht entsteht?
Das Internet ermöglicht es aber, direkt den Hersteller von Aronia-Maracuja-Zimt-Marmelade in Hinter-Unter-Ohio zu erreichen, obwohl sie niemals im Edeka um die Ecke stehen würde. Es ermöglicht auch Autoren von Bücher für eine absolute Mini-Zielgruppe, diese an den Mann zu bringen. Die Investition amortisiert sich nicht auf kurze Sicht, aber auf lange Sicht reihen sich kleine Einnahmen zu einem größeren ganzen zusammen. Oder durch die größere Käuferschicht, die der Köchin fragwürdiger Marmeladenzusammenstellungen auf einmal offen steht.
10 Jahre Urheberrecht? Long Tail, my ass.
Es wird sich einfach nicht mehr lohnen, Bücher für eine Mini-Zielgruppe zu schreiben. Wer hat gewonnen, wenn das Kulturgut, dass gefälligst einverleibt und weiterverarbeitet werden soll erst gar nicht entsteht?


