Feder & Herd

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February '12



Eine Berliner Fahrradgeschichte

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Von @doppelfish erhielt ich die Anleitung wie man sein Fahrrad aufhässlicht, so dass kein gemeiner Fahrraddieb in die Versuchung kommt das Ding zu stehlen.

An den Erfolg solcher Maßnahmen glaube ich nicht und ich möchte euch erzählen warum:



Als ich noch im großen B lebte bekam ich ein Fahrrad geschenkt. Es war ein ca. 20 Jahre altes Damenfahrrad aus ostdeutscher Produktion. Mit 26" Felgendurchmesser war es zwar beinahe zu klein für mich, aber ich liebte dieses komfortlose, gammelig aussehende, aber treu-robuste Gefährt. Ganz Berlin habe ich damit kreuz und quer abgeradelt, bin damit jeden Abend 10 km zur Abendschule gehechelt und des Nachts 10 km zurück nach Hause.

Ich hatte mit der Zeit einige Gimmicks angebaut, wie den Fahrradkorb mit vielen Spanngurten - mit deren Hilfe ich das Fahrrad hin und wieder in bester indischer Überladungsmanier durch die Gegend kutschierte (Na gut, vielleicht nicht ganz so extrem.)
Toll war auch der Leichtlaufdynamo, aber meine Lieblingserweiterung war die - in Deutschland eigentlich nicht zulässige - Radlaufglocke die über einen Klingelhebel wie ein Dynamo an die Felge geschwenkt wurde.

Wenn ich in der Dunkelheit über Elsenbrücke heimfuhr, übersahen die rechtsabbiegenden Autofahrer am Fuß der Brücke (in Richtung Friedrichshain) nur zu regelmäßig die Fahrradfahrer auf dem Radweg, und hektische Bremsmannöver sind auf zwei Rädern schon kritischer als auf Vieren. Wenn die Autofahrer also für sich behaupteten, den brückabwärtsrasenden Radler im quietschaugenkrebskanariengelben Regencape doch ganz ehrlich übersehen zu haben ... meine Klingel (die ich schon kurz hinter dem Brückenscheitel an die Felge schwenkte, damit ihre Lautstärke mit meiner steigenden Geschwindigkeit irgendwann bei 'Kölner Dom Mittagsgeläut' ankam) überhörten sie ganz sicher nicht. Auch eine Autofahrerin, die mich, an dieser Stelle, gerade noch so mit Schmackes schneiden wollte, verriss das Steuer in letzter Sekunde.
Und ich hatte mich schon in ihrer Beifahrertür kleben gesehen ...

Gut mit Reparaturmaterial und Werkzeug gefüllt, war auch die Satteltasche. Denn bei so einem alten Rad steht man schon mal mitten in der Nacht irgendwo in einem westberliner Park und kommt nicht weiter. Ausser natürlich, man ist generalstabsmässig vorbereitet.

Dynamo, Klingel, Fahrradkorb, Spanngurte, nachträglich angebrachte Katzenaugen und der Inhalt der Satteltasche waren jedenfalls zusammen (vermutlich auch einzeln) mehr Wert als das Fahrrad selbst. Ganz zu schweigen von den zwei fetten Schlössern mit denen es immer gesichert war.

Und dennoch wurde mir das gute Stück entwendet und mein Herz blutete noch heute.

Bevor mir allerdings das ganze Fahrrad geklaut wurde, spielte sich eine noch viel härtere Diebstahlsgeschichte um dieses Rad ab:


Wegen der Kombination - Berlin + idiotische Berliner Autofahrer + häufige Nacht- und Regenfahrten + persönlichem Sicherheitsfanatismus - hatte ich mir schon relativ bald batteriebetriebene Zusatzleuchten besorgt, die man in den Modi "Dauerlicht" "Blinken" und "Epilepsieauslöser" betreiben konnte.

Während man heute sowas bei Aldi hinterhergeworfen bekommt, wenn man die Tür nicht zumacht, war eine solche Zusatzleuchte damals eine richtige Investition. Vor allem für eine finanziell dauerabgebrannte Hausbesetzerin.

Es kam wie es kommen musste. Die Befestigung des roten Zusatzrücklichtes war mehr oder weniger wackelig. Keine Woche nach dem Kauf löste es sich in einer Kurve vom Fahrradkorb und wurde direkt von einem Auto überfahren.
Wehklagend puhlte ich seine Einzelteile zwischen lichtenberger Katzenkopfpflaster heraus und brachte die kümmerlichen Reste in die heimische Elektrobastelwerkstatt.


Die Lage war ernst, aber nicht hoffnungslos. Um die Abdeckung sicher zu kitten und zu verhindern das Wasser durch die Risse eindrang, goß ich das gesamte Gehäuse mit Gießharz aus. Natürlich erst, nachdem ich den Lötkolben geschwungen und die innenliegenden Batteriekontakte nach aussen verlängert hatte. Diese verband ich mit einem billigen Batteriegehäuse von Conrad Elektronik, in das ich strategisch Löcher gebohrt hatte. Rücklicht und Batteriegehäuse wurden dann sorgfältig mit Kabelbindern am Fahrradkorb festgezurrt und die Bohrlöcher noch mit Heißkleber versiegelt. Voila. Das Licht war gerettet und nun deutlich zuverlässiger angebracht als vorher. Ohne Werkzeug konnte man es unmöglich entfernen.

Aber was soll ich sagen ...

Es wurde geklaut! Einer schönen Nacht wurden die solchermaßen zusammengekleisterten Trümmer fein säuberlich von meinem Fahrradkorb abgebaut. Ich fand am nächsten Morgen nur noch durchgeknippste Kabelbinderreste.

Also erzählt mir doch hier keiner dass es hilft ein mit einem mühsam zur Ruine gestyltem Fahrrad herumzufahren. Nicht in Berlin, jedenfalls.


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