Give an Hour Campaign
Während man bei uns noch überlegt, ob man dieses Internet nicht vielleicht doch besser wieder abschalten sollte:
Give an Hour campaign
The Give an Hour campaign is urging people to spend that hour helping someone get online as part of a nationwide push to get the UK connected by the end of the Olympic year.
Give an Hour campaign
Budgets in Flattr?
Neben der ganzen übrigen Kritik an Flattr fällt mir ja eine besondere Schwäche auf(*).
Mit Flattr kann ich inzwischen auch gute Zwecke unterstützen. Das heisst ich kann zum Beispiel Greenpeace flattrn. Der Betrag den ich als monatlichen Flattr-Einsatz festlege wird gleichmässig zwischen allen Geflattrten aufgeteilt. Das heisst, flattr ich Greenpeace, kanibalisiert es den Betrag eines geflattrten Cartoons eines kleinen Webcomics.
Es kommt mir, nun, falsch vor. Vor allem weil "Unterhaltung" und "Wohltätigkeit" in meinem Kopf zwei unterschiedliche Posten der Haushaltskasse sind.
Wenn ich tatsächlich spenden will, zum Beispiel weil für einen bestimmten Zweck gesammelt wird, möchte ich meist mehr geben als 0,17 €. Ich kann es aber mit Flattr nicht beeinflussen und wenn ich in einem Monat besonders viele Webcomics toll finde, bekommt der wohltätige Zweck nur noch 0,03, statt ebenfalls mageren 0,17. Wenn demnächst noch einzelne Tweets geflattrt werden können, wird es eher schlimmer als besser werden.
Praktisch ist die Spendenmöglichkeit über Flattr aber fraglos.
Wäre es für eine nächste Flattr-Ausbaustufe denkbar Budgets für einzelne Flattr-Bereiche anzulegen? Quasi: 5 € für wohltätige Zwecke, 10 € für Blogs, 5 € für Fotos, 10 € für Open Source Software, 10 € für Audio ... etc.
(*)Vermutlich ist sie schon vielen anderen aufgefallen, aber es wurde scheinbar nicht sehr auffällig durchgekaut. Oder doch. Jedenfalls wäre es mir nicht bewusst.
Mit Flattr kann ich inzwischen auch gute Zwecke unterstützen. Das heisst ich kann zum Beispiel Greenpeace flattrn. Der Betrag den ich als monatlichen Flattr-Einsatz festlege wird gleichmässig zwischen allen Geflattrten aufgeteilt. Das heisst, flattr ich Greenpeace, kanibalisiert es den Betrag eines geflattrten Cartoons eines kleinen Webcomics.
Es kommt mir, nun, falsch vor. Vor allem weil "Unterhaltung" und "Wohltätigkeit" in meinem Kopf zwei unterschiedliche Posten der Haushaltskasse sind.
Wenn ich tatsächlich spenden will, zum Beispiel weil für einen bestimmten Zweck gesammelt wird, möchte ich meist mehr geben als 0,17 €. Ich kann es aber mit Flattr nicht beeinflussen und wenn ich in einem Monat besonders viele Webcomics toll finde, bekommt der wohltätige Zweck nur noch 0,03, statt ebenfalls mageren 0,17. Wenn demnächst noch einzelne Tweets geflattrt werden können, wird es eher schlimmer als besser werden.
Praktisch ist die Spendenmöglichkeit über Flattr aber fraglos.
Wäre es für eine nächste Flattr-Ausbaustufe denkbar Budgets für einzelne Flattr-Bereiche anzulegen? Quasi: 5 € für wohltätige Zwecke, 10 € für Blogs, 5 € für Fotos, 10 € für Open Source Software, 10 € für Audio ... etc.
(*)Vermutlich ist sie schon vielen anderen aufgefallen, aber es wurde scheinbar nicht sehr auffällig durchgekaut. Oder doch. Jedenfalls wäre es mir nicht bewusst.
Das Spammer-Job-Schema
Ist euch schon mal aufgefallen, dass die Kurz-Bios von Spammern auf Twitter immer gleich aufgebaut sind? Kann natürlich sein, weil immer die gleiche Person dahintersteckt, aber ich bin mir fast sicher, dass es sich immer nur um den gleichen Menschenschlag handelt. Das Schema ist wie folgt aufgebaut:
(1) Leider bin ich in diesen Job vollkommen unfähig, deswegen reicht es finanziell hinten und vorne nicht. Also bin ich darauf angewiesen anderen Menschen total auf die Nerven zu gehen.
(2) (Was soll das eigentlich sein?)
(3) Weil ich mein Leben nicht auf die Reihe bekomme, fühle ich mich berufen anderen dabei zu helfen.
(4) Seid so erfolgreich wie ich! Also, für den wahrscheinliche Fall, dass ihr erfolgreicher seid als ich, hätte ich gerne euer Geld. Okay?
(5) Ich hab noch nie einen Cent damit verdient und alle hassen mich. Aber ich MUSS es versuchen! Was bleibt mir anderes übrig? Ich bin UNFÄHIG!
$EHEMALS_SERIÖSER_JOB¹, ({systemischer}² Coach³|Erfolgstrainer⁴), Internetmarketing⁵.
(1) Leider bin ich in diesen Job vollkommen unfähig, deswegen reicht es finanziell hinten und vorne nicht. Also bin ich darauf angewiesen anderen Menschen total auf die Nerven zu gehen.
(2) (Was soll das eigentlich sein?)
(3) Weil ich mein Leben nicht auf die Reihe bekomme, fühle ich mich berufen anderen dabei zu helfen.
(4) Seid so erfolgreich wie ich! Also, für den wahrscheinliche Fall, dass ihr erfolgreicher seid als ich, hätte ich gerne euer Geld. Okay?
(5) Ich hab noch nie einen Cent damit verdient und alle hassen mich. Aber ich MUSS es versuchen! Was bleibt mir anderes übrig? Ich bin UNFÄHIG!
Du doof
Die Antwort auf die Frage, für wie blöd Spammer Bespammte halten, lautet die korrekte Antwort "sehr blöd"!
MWAHAHAHAHA!
Guten Tag,
ich melde mich erneut bei Ihnen - wir haben aus Ihrer Region noch nicht genügend Bewerber finden können.
Um ehrlich zu sein, ich verstehe nicht dass Sie sich bisher noch nicht gemeldet haben - wir wollen weder Geld von Ihnen, noch möchten wir Ihnen einen Vertrag oder sonstige Kosten unterjubeln.
MWAHAHAHAHA!
Sense of impatience
Sitze grade in den 15. Karlsruher Gesprächen rund um Google und Social Media. Ian Rowlands redet über den "Sense of Impatience" und dass heute 'junge Leute' Fach-E-Books nicht mehr lesen, sondern nur noch durchblättern und die Kapitelzusammenfassungen lesen.
Zynischer Gedanke:
Liegt vielleicht daran, dass man den Inhalt locker in Abstracts zusammenfassen kann und der Rest nur aus füllenden Worten besteht. Wie dieser Vortrag. Kann ich bitte den Abstract haben?
*Gähn*
Zynischer Gedanke:
Liegt vielleicht daran, dass man den Inhalt locker in Abstracts zusammenfassen kann und der Rest nur aus füllenden Worten besteht. Wie dieser Vortrag. Kann ich bitte den Abstract haben?
*Gähn*
Butter bei die Fische ...
... nur wer den Kulturmarkt kennt, kann auch darüber diskutieren.
Die ganze Urheberrechtsdebatte krankt daran, dass sie maßgeblich von zwei Seiten befeuert wird: Die Seite der Content-Großindustrie, die sowohl die Bodenhaftung als auch den Kundenkontakt vor Jahrzehnten verloren hat und die die eigentlichen Kulturschaffenden als gesichtslose, austauschbare Horde von Melkkühen sieht. Und der Seite der Konsumenten, die - von der Content-Industrie pauschal kriminalisiert wird, die sich als Kunden schon lange nicht mehr ernst genommen fühlen und gelegendlich das Gefühl haben, dass sie ausgenommen werden sollen. Kommentar, wie die eines Bosses einer großen Kino-Kette, dass Kinofilme noch viiiel zu billig seien, liefern diesem Eindruck neues Brennmaterial. Oder die Forderung, dass E-Book-Preise immer dem Preis eines Hardcovers entsprechen müssen.
Dazwischen stehen die Produzenten. Sie führen eine Schlacht an zwei Fronten. Einmal müssen sie, als freiberufliche Unternehmer, ihre Forderungen immer gegen die Verwerter durchsetzen und dort kämpfen einige mit ziemlich schmutzigen Tricks um möglichst wenig vom Kuchen an die eigentlichen Produzenten abgeben zu müssen. Schon die Forderung nach einem Prozent mehr Autorenbeteiligung beim nächsten Buch - in einer Reihe die sich wie geschnitten Brot verkaufte - führte in einem mir bekannten Fall dazu, dass der Verlag sich doch lieber einen anderen Autoren ins Haus holte. Ein Prozent mehr Autorenbeteiligung bedeutet selten mehr als ein paar Cent pro Buch.
An der anderen Front kämpfen zu viele Produzenten gegen die Konsumenten - die eigentlich ihre Freunde sein sollten. Einige Produzenten lassen sich von der Content-Industrie vor den Karren spannen, wie beispielsweise Metallica, die ein sehr restriktive Politik gegen Filesharer befürworten oder Madonna die reichlich übertrieben mit einem Staubsauger dagegen protestierte, dass ihre Videos auf Youtube gepostet werden. Einen ähnlichen Effekt hatte die Heidelberger Erklärung für den Buchbereich.
Dadurch wird die Position der Produzenten bei den Konsumenten nicht besser. Diese übertragen das Gefühl des Übervorteilt-Werdens von der Content-Großindustrie auch nahtlos auf alle Produzenten. Dazu kommt ein gerütteltes Maß an Legendenbildung über die neuen Möglichkeiten des Internets die alle(!) alten Vertriebswege überflüssig machen sollten und - wie man den Kommentaren zu meinem Artikel unschwer entnehmen kann - auch ein nicht geringes Maß an Ignoranz und Arroganz dem Produzenten gegenüber.
An diesem Punkt unterscheidet sich die Content-Großindustrie erstaunlicherweise nicht vom Konsumenten mit Extremansichten. Beide halten den Produzenten für das Mitglied einer gesichtslosen Masse, dessen Produkte von zweifelhafter Qualität sind, die sowieso überbezahlt sind und sich mit dem hart erarbeiteten Geld des Konsumenten ein Schloß auf Ibiza kaufen.
Zur Verteidigung der Konsumenten führe ich an, dass ihnen im Allgemeinen nur die großen Namen wirklich bekannt sind. Sei es J.K. Rowling, die Gerüchten zufolge inzwischen reicher als die Queen von England ist, sei es ein "Spice Girls"-Sternchen, dass sich mal eben ein Schloß zulegt oder Elvis mit Graceland.
Die große Masse der Produzenten wird nicht reich, kann sich aber selbst erhalten. Hier geht es nicht darum Luxus zu finanzieren, sondern auch Kulturarbeitern menschenwürdige Bezahlung für ihre Arbeit zuzugestehen ohne gleich alles krampfhaft zu subventionieren, dass sich Kultur nennt.
Das große Problem in der Diskussion zum Urheberrecht, beziehungsweise dessen Umbau, ist dass die drei beteiligten Gruppen nicht miteiander reden.
Die Content-Großindustrie ist es gewohnt Preise diktieren zu können und dass das Geschäft auch ohne Austausch mit dem Konsumenten läuft. Sie ist gewohnt, das Spiel über den Mangel zu diktieren. Auf eine Zeit ohne Mangel sind sie nicht eingestellt und derzeit sehen viele von ihnen den Weg der Justiz als gangbar um die 'alte Ordnung' wiederherzustellen.
Die Produzenten waren es gewohnt vor sich hinzuwurschteln. Konsumentenkontakt gab es ehemals höchstens durch Fanpost und schon Interviews geben oder Live-Konzerte galt als Beziehung. Alles meist gefiltert durch die Industrie als Zwischenglied und Vermittler. Viele Produzenten bemerken jetzt erst so langsam, dass sie auch direkt mit ihren Lesern oder Hörern sprechen können und gehen damit noch unbeholfen um. Zudem übersehen sie oft die eigene zweite Rolle. Produzenten sind immer auch Konsumenten und können nicht selten erstaunlich schnell und unreflektiert von einer Rolle in die nächste umschalten. Da passiert es durchaus, dass sich ein Textarbeiter, der sich wenige Sekunden zuvor über Urheberrechtsverletzungen an eigenen Texten ereiferte, im nächsten Moment darüber beschwert dass ein Fotograf für das online genutzte Promofoto auf einmal zusätzlich bezahlt werden will, wenn das Foto den Klappentext eines Buches zieren soll.
Die Konsumenten leben in einer Welt, die durchdrungen ist mit Kultur. Dass ein Radiosender um Mitternacht das Programm abschaltet und man dann auf die Musik angewiesen ist, die man zuhause hat - sei es auf Schallplatte oder 'illegal' im Radio mitgeschnitten, das ist heute unbekannt. Nahezu jegliches Gut populärer Kultur kann rund um die Uhr ohne Hindernisse besorgt und konsumiert werden. Radioprogramme senden rund um die Uhr, das Fernsehen ebenso. Es gibt nicht nur Videotheken mit Öffnungszeiten, sondern Online-Videotheken und Bücher die noch nicht als E-Book verkauft werden, finden sich ziemlich wahrscheinlich im Torrent. Das Musik, Filme und Bücher aber ebensowenig aus dem Torrent kommen, wie Strom aus der Steckdose oder Milch aus dem Kaufladen, machen sich die wenigsten bewusst. Ebensowenig, dass auch die theoretische Verfügbarkeit einer Armee von Hobbymusikern, -Filmern und -Autoren diese Durchdringung des Alltags mit Kultur, die wir heute als selbstverständlich empfinden, nicht garantiert.
Bevor das Urheberrecht gerecht umgestaltet werden kann, müssen sich alle beteiligten Parteien über mehrere Dinge klar werden:
Schon seit Jahren versuche ich meinen Teil beizutragen, diese Gespräche in Gang zu bringen. Kollegen von Überreaktionen abzuhalten und ihnen zu versichern, dass die Konsumenten sie eigentlich gar nicht ausräubern wollen. Dank den Kommentaren in diesem Artikel, ist meine Überzeugung selbst ins Wanken geraten. Dennoch versuche ich damit weiterzumachen. In alle Richtungen. Weil ich kann.
Und hier geht es demnächst weiter:
Die ganze Urheberrechtsdebatte krankt daran, dass sie maßgeblich von zwei Seiten befeuert wird: Die Seite der Content-Großindustrie, die sowohl die Bodenhaftung als auch den Kundenkontakt vor Jahrzehnten verloren hat und die die eigentlichen Kulturschaffenden als gesichtslose, austauschbare Horde von Melkkühen sieht. Und der Seite der Konsumenten, die - von der Content-Industrie pauschal kriminalisiert wird, die sich als Kunden schon lange nicht mehr ernst genommen fühlen und gelegendlich das Gefühl haben, dass sie ausgenommen werden sollen. Kommentar, wie die eines Bosses einer großen Kino-Kette, dass Kinofilme noch viiiel zu billig seien, liefern diesem Eindruck neues Brennmaterial. Oder die Forderung, dass E-Book-Preise immer dem Preis eines Hardcovers entsprechen müssen.
Dazwischen stehen die Produzenten. Sie führen eine Schlacht an zwei Fronten. Einmal müssen sie, als freiberufliche Unternehmer, ihre Forderungen immer gegen die Verwerter durchsetzen und dort kämpfen einige mit ziemlich schmutzigen Tricks um möglichst wenig vom Kuchen an die eigentlichen Produzenten abgeben zu müssen. Schon die Forderung nach einem Prozent mehr Autorenbeteiligung beim nächsten Buch - in einer Reihe die sich wie geschnitten Brot verkaufte - führte in einem mir bekannten Fall dazu, dass der Verlag sich doch lieber einen anderen Autoren ins Haus holte. Ein Prozent mehr Autorenbeteiligung bedeutet selten mehr als ein paar Cent pro Buch.
An der anderen Front kämpfen zu viele Produzenten gegen die Konsumenten - die eigentlich ihre Freunde sein sollten. Einige Produzenten lassen sich von der Content-Industrie vor den Karren spannen, wie beispielsweise Metallica, die ein sehr restriktive Politik gegen Filesharer befürworten oder Madonna die reichlich übertrieben mit einem Staubsauger dagegen protestierte, dass ihre Videos auf Youtube gepostet werden. Einen ähnlichen Effekt hatte die Heidelberger Erklärung für den Buchbereich.
Dadurch wird die Position der Produzenten bei den Konsumenten nicht besser. Diese übertragen das Gefühl des Übervorteilt-Werdens von der Content-Großindustrie auch nahtlos auf alle Produzenten. Dazu kommt ein gerütteltes Maß an Legendenbildung über die neuen Möglichkeiten des Internets die alle(!) alten Vertriebswege überflüssig machen sollten und - wie man den Kommentaren zu meinem Artikel unschwer entnehmen kann - auch ein nicht geringes Maß an Ignoranz und Arroganz dem Produzenten gegenüber.
An diesem Punkt unterscheidet sich die Content-Großindustrie erstaunlicherweise nicht vom Konsumenten mit Extremansichten. Beide halten den Produzenten für das Mitglied einer gesichtslosen Masse, dessen Produkte von zweifelhafter Qualität sind, die sowieso überbezahlt sind und sich mit dem hart erarbeiteten Geld des Konsumenten ein Schloß auf Ibiza kaufen.
Zur Verteidigung der Konsumenten führe ich an, dass ihnen im Allgemeinen nur die großen Namen wirklich bekannt sind. Sei es J.K. Rowling, die Gerüchten zufolge inzwischen reicher als die Queen von England ist, sei es ein "Spice Girls"-Sternchen, dass sich mal eben ein Schloß zulegt oder Elvis mit Graceland.
Die große Masse der Produzenten wird nicht reich, kann sich aber selbst erhalten. Hier geht es nicht darum Luxus zu finanzieren, sondern auch Kulturarbeitern menschenwürdige Bezahlung für ihre Arbeit zuzugestehen ohne gleich alles krampfhaft zu subventionieren, dass sich Kultur nennt.
Das große Problem in der Diskussion zum Urheberrecht, beziehungsweise dessen Umbau, ist dass die drei beteiligten Gruppen nicht miteiander reden.
Die Content-Großindustrie ist es gewohnt Preise diktieren zu können und dass das Geschäft auch ohne Austausch mit dem Konsumenten läuft. Sie ist gewohnt, das Spiel über den Mangel zu diktieren. Auf eine Zeit ohne Mangel sind sie nicht eingestellt und derzeit sehen viele von ihnen den Weg der Justiz als gangbar um die 'alte Ordnung' wiederherzustellen.
Die Produzenten waren es gewohnt vor sich hinzuwurschteln. Konsumentenkontakt gab es ehemals höchstens durch Fanpost und schon Interviews geben oder Live-Konzerte galt als Beziehung. Alles meist gefiltert durch die Industrie als Zwischenglied und Vermittler. Viele Produzenten bemerken jetzt erst so langsam, dass sie auch direkt mit ihren Lesern oder Hörern sprechen können und gehen damit noch unbeholfen um. Zudem übersehen sie oft die eigene zweite Rolle. Produzenten sind immer auch Konsumenten und können nicht selten erstaunlich schnell und unreflektiert von einer Rolle in die nächste umschalten. Da passiert es durchaus, dass sich ein Textarbeiter, der sich wenige Sekunden zuvor über Urheberrechtsverletzungen an eigenen Texten ereiferte, im nächsten Moment darüber beschwert dass ein Fotograf für das online genutzte Promofoto auf einmal zusätzlich bezahlt werden will, wenn das Foto den Klappentext eines Buches zieren soll.
Die Konsumenten leben in einer Welt, die durchdrungen ist mit Kultur. Dass ein Radiosender um Mitternacht das Programm abschaltet und man dann auf die Musik angewiesen ist, die man zuhause hat - sei es auf Schallplatte oder 'illegal' im Radio mitgeschnitten, das ist heute unbekannt. Nahezu jegliches Gut populärer Kultur kann rund um die Uhr ohne Hindernisse besorgt und konsumiert werden. Radioprogramme senden rund um die Uhr, das Fernsehen ebenso. Es gibt nicht nur Videotheken mit Öffnungszeiten, sondern Online-Videotheken und Bücher die noch nicht als E-Book verkauft werden, finden sich ziemlich wahrscheinlich im Torrent. Das Musik, Filme und Bücher aber ebensowenig aus dem Torrent kommen, wie Strom aus der Steckdose oder Milch aus dem Kaufladen, machen sich die wenigsten bewusst. Ebensowenig, dass auch die theoretische Verfügbarkeit einer Armee von Hobbymusikern, -Filmern und -Autoren diese Durchdringung des Alltags mit Kultur, die wir heute als selbstverständlich empfinden, nicht garantiert.
Bevor das Urheberrecht gerecht umgestaltet werden kann, müssen sich alle beteiligten Parteien über mehrere Dinge klar werden:
- Kein Glied der Kette ist überflüssig. Weder die Kunden, noch die Produzenten noch die Verwerter werden überflüssig werden. Allem freien Internet und allen Visionen zum Trotz.
- Die Verwerter würden sich mit dem Gedanken anfreunden müssen, gut zu verdienen aber nicht in obszönen Margen. (Wobei es nur ein kleiner Teil der Verwertungsindustrie ist, der wirklich obszön viel verdient. Für kleine Labels, kleine Verlage, kleine Filmfirmen gilt was für den durchschnittlichen Produzenten gilt. Sie verdienen nicht mehr und nicht weniger als der Durchschnitt im unteren Mittelfeld.) Sie wird sich auch damit abfinden müssen, das Kultur eben kein 'Geschäft wie jedes andere' ist, sondern eine gewisse Verantwortung der Gesellschaft gegenüber damit verbunden ist.
- Die Produzenten müssen sich mit dem Gedanken anfreunden, dass ihr Leben auch in Zukunft kein Ponyhof sein wird. Der Markt wird vermutlich noch fragmentierter sein, als es jetzt schon ist. Neue Möglichkeiten bringen immer auch neue Schwierigkeiten mit sich. Sie werden sich auch daran gewöhnen müssen, möglicherweise nur noch von den Konsumenten bezahlt zu werden, die ihre Produkte auch tatsächlich konsumieren und mögen. (Buchverkäufe z.B. bilden nicht ab, welche Bücher tatsächlich gelesen werden. Noch weniger Downloadraten bei E-Books, Filmen oder Musik. Vieles wird in Hamsterlaune heruntergeladen und führt dann ein vergessenes Dasein in staubigen Ecken einer Festplatte.)
- Die Konsumenten werden sich mit dem Gedanken abfinden müssen, dass Kunst und Kultur vielleicht frei sein soll, Künstler und andere Wissensarbeiter aber eben doch nicht von Luft, Liebe und Applaus leben, sondern vom Brot für das sie beim Bäcker nicht weniger bezahlen müssen als alle anderen auch.
Das zur Produktion von Kultur mehr gehört als 100 Affen vor hundert Schreibmaschinen zu setzen, ein paar Tasten am Synthie zu drücken oder etwas Farbe auf eine Leinwand zu klatschen. Das Wege gefunden werden müssen wie Künstler von ihrem Tun weiterhin leben können und dass das Wikipedia-Modell nur eine Ausnahme sein kann, aber nicht die Regel.
Schon seit Jahren versuche ich meinen Teil beizutragen, diese Gespräche in Gang zu bringen. Kollegen von Überreaktionen abzuhalten und ihnen zu versichern, dass die Konsumenten sie eigentlich gar nicht ausräubern wollen. Dank den Kommentaren in diesem Artikel, ist meine Überzeugung selbst ins Wanken geraten. Dennoch versuche ich damit weiterzumachen. In alle Richtungen. Weil ich kann.
Und hier geht es demnächst weiter:
Verwandte Links:
Argumente
"Die Erde gehört uns allen. Wenn du dir auf einem Stück davon ein Haus baust, musst du aber auch andere die Zimmer darin vermieten lassen. Du hast dann ja immer noch den Keller in dem du wohnen kannst.!"
"Also sie arbeiten für uns, aber ich mag sie nicht bezahlen. Dafür schraube ich ihr Namensschild neben die Tür. Dann werden ganz sicher andere ihren Namen googeln, sehen was sie so alles Tolles machen und sie verdienen dann noch viel, viel mehr!"
"Haben sie wirklich geglaubt, sie könnten einen Wert bei uns anlegen und dann ein Leben lang Zinsen kassieren? Finden sie das nicht ganz schön dreist?"
"Also sie arbeiten für uns, aber ich mag sie nicht bezahlen. Dafür schraube ich ihr Namensschild neben die Tür. Dann werden ganz sicher andere ihren Namen googeln, sehen was sie so alles Tolles machen und sie verdienen dann noch viel, viel mehr!"
"Haben sie wirklich geglaubt, sie könnten einen Wert bei uns anlegen und dann ein Leben lang Zinsen kassieren? Finden sie das nicht ganz schön dreist?"
Verwandte Links:
Long Tail
Als eine Errungenschaft des Internets gilt ja, dass es den Long Tail möglich gemacht hat. Also, den unproblematischen Absatz von Gütern die nur für eine kleine Zielgruppe von Interesse sind. Bei denen es sich daher für reguläre Anbieter nicht lohnt sie ins Programm zu nehmen, weil sie nicht in kurzer Zeit in großer Menge verkauft werden können. Weil sich die Investition nicht schnell genug amortisiert oder zuviel wertvoller Platz durch sprichwörtliche Ladenhüter blockiert wird.
Das Internet ermöglicht es aber, direkt den Hersteller von Aronia-Maracuja-Zimt-Marmelade in Hinter-Unter-Ohio zu erreichen, obwohl sie niemals im Edeka um die Ecke stehen würde. Es ermöglicht auch Autoren von Bücher für eine absolute Mini-Zielgruppe, diese an den Mann zu bringen. Die Investition amortisiert sich nicht auf kurze Sicht, aber auf lange Sicht reihen sich kleine Einnahmen zu einem größeren ganzen zusammen. Oder durch die größere Käuferschicht, die der Köchin fragwürdiger Marmeladenzusammenstellungen auf einmal offen steht.
10 Jahre Urheberrecht? Long Tail, my ass.
Es wird sich einfach nicht mehr lohnen, Bücher für eine Mini-Zielgruppe zu schreiben. Wer hat gewonnen, wenn das Kulturgut, dass gefälligst einverleibt und weiterverarbeitet werden soll erst gar nicht entsteht?
Das Internet ermöglicht es aber, direkt den Hersteller von Aronia-Maracuja-Zimt-Marmelade in Hinter-Unter-Ohio zu erreichen, obwohl sie niemals im Edeka um die Ecke stehen würde. Es ermöglicht auch Autoren von Bücher für eine absolute Mini-Zielgruppe, diese an den Mann zu bringen. Die Investition amortisiert sich nicht auf kurze Sicht, aber auf lange Sicht reihen sich kleine Einnahmen zu einem größeren ganzen zusammen. Oder durch die größere Käuferschicht, die der Köchin fragwürdiger Marmeladenzusammenstellungen auf einmal offen steht.
10 Jahre Urheberrecht? Long Tail, my ass.
Es wird sich einfach nicht mehr lohnen, Bücher für eine Mini-Zielgruppe zu schreiben. Wer hat gewonnen, wenn das Kulturgut, dass gefälligst einverleibt und weiterverarbeitet werden soll erst gar nicht entsteht?
Die Nerdcore-Affäre
Eine, gelinde gesagt als klagefreudig bekannte, Firma pfändet die Domain eines der beliebtesten deutschen Blogs und seitdem brodelt die Gerüchteküche und die Geister streiten sich, ob das nun der PR-Coup des Jahres war oder das eigentorigste aller Eigentore.
Für mich ist die Botschaft von Euroweb an die Blogsphäre klar und meiner Ansicht nach lautet sie wie folgt:
Wenn ihr unsere Kreise stört, haben wir die juristische Macht euch in die Suppe zu spucken. Und da euch Abmahnungen nicht genug kratzen, packen wir euch dort wo es wirklich weh tut: Wir nehmen euch die Spielwiese weg. WIr haben diese Möglichkeit und scheuen uns nicht sie auch in Zukunft einzusetzen.
Meiner Ansicht nach haben die Gestalten hinter Euroweb die Hybris, sich der geballten Bloggergemeinschaft überlegen zu fühlen und fordern sie absichtlich zu einem Machtspiel heraus. In meinen Augen eine Form der Überheblichkeit, die man gemeinhin Bloggern nachsagt.
Da wünsche ich mir doch sie hätten sich stattdessen noch einen Porsche gekauft.
Für mich ist die Botschaft von Euroweb an die Blogsphäre klar und meiner Ansicht nach lautet sie wie folgt:
Wenn ihr unsere Kreise stört, haben wir die juristische Macht euch in die Suppe zu spucken. Und da euch Abmahnungen nicht genug kratzen, packen wir euch dort wo es wirklich weh tut: Wir nehmen euch die Spielwiese weg. WIr haben diese Möglichkeit und scheuen uns nicht sie auch in Zukunft einzusetzen.
Meiner Ansicht nach haben die Gestalten hinter Euroweb die Hybris, sich der geballten Bloggergemeinschaft überlegen zu fühlen und fordern sie absichtlich zu einem Machtspiel heraus. In meinen Augen eine Form der Überheblichkeit, die man gemeinhin Bloggern nachsagt.
Da wünsche ich mir doch sie hätten sich stattdessen noch einen Porsche gekauft.
Satanische Dokumente
Mal ganz abgesehen von dem Verdacht Assange könne sich der Vergewaltigung schuldig gemacht haben:
Fällt irgend jemandem ausser mir auf, dass sich das Vokabular diverser US-Politiker dem Vokabular fanatischer Islamisten annähert, die zum Mord an Salman Rushdie aufriefen? Damals gab es einen Aufschrei in dem Teil der Welt, der sich selbst gerne als aufgeklärt und fortschrittlich sieht. Aber kaum tratscht jemand die Spitznamen der oberen Zehntausend herum, ist die Todesstrafe grade mal gut genug.
Fällt irgend jemandem ausser mir auf, dass sich das Vokabular diverser US-Politiker dem Vokabular fanatischer Islamisten annähert, die zum Mord an Salman Rushdie aufriefen? Damals gab es einen Aufschrei in dem Teil der Welt, der sich selbst gerne als aufgeklärt und fortschrittlich sieht. Aber kaum tratscht jemand die Spitznamen der oberen Zehntausend herum, ist die Todesstrafe grade mal gut genug.

