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February '12



Romanbeginn

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"Wir schreiben das Jahr 2011. Das Volk ist in Aufruhr. Hunger, Arbeitslosigkeit, Korruption. Zuerst waren nur die Großstädte von den Aufständen betroffen. New York, Madrid, Kairo, Tel Aviv ... doch langsam breiten sie sich wie ein Steppenbrand aus."




Gratulation. Wir leben in einem dystopischen Roman.


Posted by Mela Eckenfels

10/10/2011 at 16:01:51

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Gestern bei der Blockade des Grundwassermanagements

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Eine alte Frau mit Anti-S21 Schild und vielen Buttons an einem Band steht hinter den Polizisten und fotografiert in Richtung Grundwassermanagement.
Watch the Watchers




Posted by Mela Eckenfels

08/10/2011 at 02:01:14

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Notmyhumanism II

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Immer wenn als vorherrschende Gefühle "Mitleid" und "Mitgefühl" angegeben werden, geht es auf Kosten von Akzeptanz und Respekt. Auch der Akzeptanz von Aussagen wie:

"Nein, ich fühle mich nicht defekt. Ich möchte nicht repariert werden. Gib mir einfach die Hilfen die ich brauche."


Posted by Mela Eckenfels

06/02/2011 at 16:51:38

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Notmyhumanism

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2. Kranke und Behinderte sollten mit allen Mitteln gefördert werden – Krankheit und Behinderung jedoch nicht! Ich halte diese Differenzierung nicht für „behindertenfeindlich“, sondern, ganz im Gegenteil, für „behindertenfreundlich“.

Quelle: Giordano Bruno Stiftung: Zur Debatte um Peter Singer



Heißt übersetzt: Eigentlich finden wir es total scheiße, dass es euch gibt. Aber wenn ihr schon mal da seid finden wir es humaner es euch ein bisschen netter zu machen. Lebenswert? Ach jetzt werdet aber nicht albern.


Giordano Bruno Stiftung #notmyhumanism



Noch ein Schmankerl gefällig?



Es ist völlig inakzeptabel (und behindertenfeindlich!), die Opfer dieses Massenmords mit ausselektierten Embryonen gleichzusetzen, die zu keinerlei Empfindungen fähig sind! Gerade diejenigen, die sich für die Rechte schwerstkranker oder behinderter Menschen einsetzen, sollten sich gegen derartige Vergleiche in aller Deutlichkeit zur Wehr setzen!

Quelle: Ist die Giordano-Bruno-Stiftung „behindertenfeindlich“?



Ausselektiert. Na dann.


(man ableism)

Posted by Mela Eckenfels

06/02/2011 at 15:11:23

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Lieber Herr Gert G. Wagner ...

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... im Interview mit der Tageszeitung gaben Sie Folgendes zum Besten:

Wagner:
Es ist aber extrem unwahrscheinlich, dass die Zensusdaten gestohlen werden. Bei der Bundesagentur für Arbeit wird zum Beispiel für Millionen Erwerbstätige sogar das Einkommen abgespeichert. Diese für Werbezwecke sensationellen Daten wurden bisher auch noch nie gehackt.


Das Sie sich der Gefahren gar nicht bewusst sind, disqualifiziert Sie. Absichtlicher Diebstahl ist nicht das Problem. Menschliche Dummheit, Unachtsamkeit und Gedankenlosigkeit ist es. Zu Ihrer genehmen Lektüre sei Ihnen Die Chronik der Datenpannen empfohlen.

In diesem Sinne m(.


P.S.: Wenn tausende Zensus-Beauftragte durch die Lande tingeln, frage ich nicht ob Daten verloren gehen werden, sondern wieviele.

Posted by Mela Eckenfels

05/09/2011 at 16:25:59

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Tanzverbot

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Karlsruhe, Ostersamstag, 23 Uhr. Die Glocken der Christuskirche bimmeln wie blöde. Vermutlich ist gerade die Osterfeier zu Ende gegangen. Ruhige, in Andacht versunkene Ostertage eben.

Vielleicht wäre es für nächstes Jahr eine Idee den Flashmob nicht still tanzen zu lassen, sondern zu den Kirchenglocken.


Posted by Mela Eckenfels

04/23/2011 at 23:31:36

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Erst wenn ...

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Erst wenn die letzte Generation Präkariatskinder in der Hauptschule zu Tode gelangweilt wurde, die letzte Internetfirma aus dem Netz geklagt wurde, das letzte Know-How abgewandert und die letzte Uni verfallen ist, wird ihnen auffallen das Deutschland keine Bodenschätze hat.

Posted by Mela Eckenfels

04/12/2011 at 11:42:46

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Unausgegorenes zur Spackeria

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(Post-Privacy ist bei mir ja mehr so gelebte [und oft um Unverständnis betrachtet oder kritisierte] Tatsache. Mich theoretisch mit Post-Privacy zu beschäftigen, gehört aber generell weniger zu meinen Interessen, deswegen ist das hier unausgegoren und nicht in Tagen fundierten Grübelns entstanden.)

Die Spackeria entstand aus dem natürlich guten Grund, dass da eine Ecke der Diskussion, alleine die Aufnahme der Diskussion abwertete. Wer über Post-Privacy öffentlich redet, begeht quasi Verrat an der wahren Sache, also dem Kampf um die Herrschaft über die privaten Informationen. Ein, wie ich finde, guter und wichtiger Kampf, denn gerade Behörden sind datenhungrig und wenden die zur Verfügung stehenden Daten sehr gerne zum Nachteil der Bürger an. (Ich hatte da sehr früh ein privates Erlebnis, auf das ich aber hier nicht näher eingehen möchte, da es nichts zur Sache beiträgt. Es hat aber dazu beigetragen, dass ich mir immer sicher war, dass meine Daten ohnehin Freiwild sind und ich würde mich nie auf die Verschwiegenheit einer Behörde oder die Anwendung geltende Gesetze verlassen.)

Datenschutz umgekehrt, kann zu einem scharfen Schwert der Kontrolle werden. Der Link dokumentiert nur ein Beispiel - da gäbe es noch mehr und noch stichhaltigere Vorkommnisse oder Politiker-Aussagen. Es gibt also durchaus gute Gründe Datenschutz kritisch zu sehen und über eine Reformierung nachzudenken.

Datenschutz als Götze oder Dogma nutzt niemandem.

Eine zu große Offenheit, erst recht wenn sie durch Gesetze oder auch nur gesellschaftliche Konventionen erzwungen wird, ist für nicht wenige Menschen eine unglaublich beklemmende Vorstellung. Gedanken an 1984 kommen schnell auf, wenn Daten gesammelt und zusammengefasst werden. Wenn sie eine kleine, mächtige Einheit in die Lage versetzt koordiniert zu agieren - egal ob es sich dabei um Polizei oder Geheimdienste handelt, Unternehmen oder Privatleute. Und hier ist es auch gleichgültig ob die Informationen öffentlich vorliegen, also freiwillig preisgegeben wurden oder ob sie erzwungen werden.
Erst gebündelte Informationen sind 'scharfgemacht'. Die Datenvariante von "Die Dosis macht das Gift".

Zudem - und nun kommen wir erst zur Spackeria - kann der Ruck zur neuen Offenheit genau diese Ängste entweder auslösen, oder verstärken. Unter anderem die Angst, dass die wichtige Arbeit, Staat und Wirtschaft vom übermächtigen Schnüffeln abzuhalten ausgehöhlt oder ganz beendet wird. Auch die Vorstellung, dass Privatleute in der Lage sind öffentliche Daten zusammenzuführen und so eine Art Privat-Indect zu betreiben, hat selbst dann nichts Lustiges an sich wenn man nicht von Stalking betroffen ist oder war. Und auch die Angst, dass das Torschlagargument "Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten" zur alltäglichen Realität wird. Das jemand, der sich in seinem höchst-persönlichen Lebensbereich bedroht fühlt unkontrolliert um sich beisst, ist ein schlichter Überlebensreflex.

Wenn nun technophile, junge Menschen (wie sie die Angehörigen der Spackeria nun mal sind) ihre alltäglich-banalen technischen Möglichkeiten nutzen um über ihr ureigenes Thema auf dem Laufenden zu bleiben und dann (scheinbar) wie eine Einheit reagieren, so ist das verständlich und nicht weiter verwunderlich.

Das man damit keinesfalls den Diplomatie-Nobelpreis gewinnt, ist ebenso wenig verwunderlich.

Unsere Gesellschaft ist nicht ideal und sie wird es auch noch lange nicht sein. Es muss immer erst Menschen geben, die sich in die Öffentlichkeit wagen (dort manchmal sogar Leib und Leben riskieren) um ein umstrittenes Thema zur gesamtgesellschaftlichen Normalität werden zu lassen. Den Prozess kann man nicht erzwingen. Man kann niemanden zur unfreiwilligen Offenheit zwingen. Zwang hat auch immer etwas Totalitäres.

Es geht hier um nicht weniger, als um pure, reale, ehrliche Existenzängste.

Daher wäre es vielleicht sinnvoll, die Menschen, die Angst vor der gesetzlich verankerten oder gesellschaftlich geforderten Offenheit haben, nicht als Paranoiker abzutun und ihre Ängste somit noch zu bestätigen. Sie, und ihre Bedenken an die Hand zu nehmen, statt sie auszulachen ... das wäre Größe.

Nur mal so als Anregung.


Posted by Mela Eckenfels

03/29/2011 at 00:23:40

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Last modified on 2011-03-30 07:07


Wie Kulturschaffende Geld verdienen

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Wie bereits mehrmals erwähnt, sind Kulturschaffende in der überwiegenden Mehrheit freiberufliche Unternehmer. Als solche unterliegen sie den Gesetzen des Marktes und der ist im Kulturbereich weniger vorhersagbar als beispielsweise im Bereich der IT-Beratung. Manche Kulturarbeiter produzieren fassbare Werke, wie Skulpuren oder Gemälde, manche weniger fassbare, weil kopierbare, Werke wie Bücher, Zeichnungen oder Musik.

Ein Autor, der von seinen Tantiemen leben möchte, muss wie am Fließband schreiben. Entweder für den Bereich der Heftromane, die am Bahnhofskiosk verkauft und ebenso nebenbei konsumiert werden wie die BILD, oder indem er sich schon einen Namen gemacht hat und durch Marketing und Ruf eine gewisse Lesergemeinde erworben hat.

Nicht jeder Autor ist Willens oder in der Lage dieses Tempo durchzuhalten. Beim Heftroman ist das ein Ausstoß von einem Roman in 3-4 Wochen. Also heißt für den durchschnittlichen Kulturschaffenden das Zauberwort: Mischkalkulation.

Wie in den Kommentaren zu diesem Artikel schon erwähnt, bedeutet es, dass ein Produzent einerseits "freie Werke" schafft, die von Anfang bis Ende seine Kopfgeburten sind, dass er aber zusätzlich Auftragsarbeiten annimmt. Ich will das hier mal "Pflicht" für Auftragsarbeiten und "Kür" für die 'freien Werke' nennen.

Konkret sieht es dann so aus, dass beispielsweise Petra A. Bauer die eigentlich Krimi- und Jugendbuchautorin ist, dann auch mal eine Kinderbroschüre zum Thema Solarenergie betextet oder Kolumnen für Magazine schreibt. Beim Comiczeichner Flix wären die "Heldentage" die Kür und Firmenmaskottchen oder Illustrationen für kommerzielle Publikationen die Pflicht.

Die Pflicht macht es vielen Kulturschaffenden erst möglich, sich zu professionalisieren und den Beruf eben nicht als Hobby zu betreiben. Sie ermöglicht den grundlegenden Selbsterhalt, Fortbildung, finanziert die Recherche für die Kür oder das Atelier. Damit die Mischkalkulation aber aufgehen kann, muß auch die Kür früher oder später zum gesamten Lebensunterhalt beitragen. Je weniger die Kür abwirft um so mehr muß ein Kulturschaffender auf der Pflicht-Seite hinzuverdienen.

Auf die Pflicht ganz zu verzichten, schaffen nur die 'Oberen Zehntausend'. Also die Kunstarbeiter, die über ihre Kunst durchaus zu Wohlstand oder Reichtum kommen können. Wer es 'schafft' und wer damit reich wird, hängt von vielen Faktoren ab und ein Großer nennt sich Zeitgeist.

Jeder Kulturschaffende, den ich näher kenne, liegt ständig im Kampf damit Pflicht und Kür ausbalanciert zu halten. Die Pflicht mit ihren engen Terminen, anspruchsvollen Auftraggebern und hohen Anforderungen, raubt zu oft der Kür die Zeit und Energie. Zumal die Kür dann ja irgendwie geschoben werden kann und die Pflicht eben nicht.

Künstler die es nicht 'geschafft' haben, müssen der Pflicht einfach zum Selbsterhalt einen größeren Spielraum einräumen, als ihnen selbst lieb ist - oder für ihr inneres Wohl gut ist.

Denn eigentlich will jeder Künstler das herauslassen, was in ihm schlummert und an die Oberfläche drängt. Das klingt nun melodramatisch, aber die Nicht-Kulturschaffenden die diesen Artikel lesen, müssen mir hier einfach mal glauben. Das ist so, und dieses innere Drängen kann manchmal verdammt weh tun.

Die Pflicht ist aber noch etwas anderes als 'lästige Pflicht' zum Erwerb des lebensnotwendigen Minimums:

Die Pflicht ist gesteuerte und kontrollierte Kultur.

Nehmen wir zum Beispiel einen Bildhauer. Auch ein Bildhauer würde sicherlich am Liebsten ständig an den Skulpturen arbeiten, die in hoch-inspirativen Momenten vor seinem inneren Auge entstehen. Eine wichtige Einkommensstütze für Bildhauer, sind aber die 5%, die beim Bau jedes neuen öffentlichen Gebäudes für Kunst ausgegeben werden müssen. Nun wird ein Bildhauer, der den Auftrag bekommt ein Bildnis für den Neubau des Finanzamtes zu schaffen, keine Statue schaffen können, die den Bürger im Würgegriff der Behörde darstellt.

Auch ein Künstler, der angestellt wird eines der bekannten, protzigen Gebilde zu erschaffen mit denen große Bankhäuser gerne den Vorgarten schmücken, wird kaum das Milliardengrab der Bankenrettung thematisieren können.

Auch öffentliche Gelder der Kulturförderung wurden schon oft genug zurückgezogen, wenn Kunstwerke Regierenden oder anderen einflußreichen Personen ein Dorn im Auge waren. Die damalige Regierung versuchte zum Beispiel gegen einen Literaturpreis für den Jugendroman "Die Wolke" zu intervenieren, weil er der Atompolitik in die Quere kam.

Auch wenn viele 'offene Kunstfreunde' gerne versuchen einen anderen Eindruck zu erwecken. Auftragswerke müssen immer auch dem Geschmack des Auftraggebers entsprechen und dürfen ihm nicht vor die Füße pinkeln. Man beisst nicht die Hand, die einen füttert.

Richtungsänderungen in der Kultur, sind nur durch freie Werke möglich, die ihre Chance haben müssen auf dem freien Markt ihre Liebhaber zu finden. Egal wie lange es dauert.

Die radikal neue Form der Malerei, mit der die Impressionisten dem damaligen Kunstverständnis mit offener Hand ins Gesicht schlugen, wäre nicht mit Auftragswerken erreicht worden.



Jeder der an den Möglichkeiten sägt freie Kunst unbehindert zu monetarisieren, muss sich bewusst sein, dass seine eigentliche Forderung lautet:

Ich will mehr kontrollierte, subventionierte und finanz-gesteuerte Kultur.

Posted by Mela Eckenfels

02/11/2011 at 18:25:24

Posted in Gesellschaft, Piratenpartei

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Last modified on 2011-02-14 17:47


Butter bei die Fische ...

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... nur wer den Kulturmarkt kennt, kann auch darüber diskutieren.


Die ganze Urheberrechtsdebatte krankt daran, dass sie maßgeblich von zwei Seiten befeuert wird: Die Seite der Content-Großindustrie, die sowohl die Bodenhaftung als auch den Kundenkontakt vor Jahrzehnten verloren hat und die die eigentlichen Kulturschaffenden als gesichtslose, austauschbare Horde von Melkkühen sieht. Und der Seite der Konsumenten, die - von der Content-Industrie pauschal kriminalisiert wird, die sich als Kunden schon lange nicht mehr ernst genommen fühlen und gelegendlich das Gefühl haben, dass sie ausgenommen werden sollen. Kommentar, wie die eines Bosses einer großen Kino-Kette, dass Kinofilme noch viiiel zu billig seien, liefern diesem Eindruck neues Brennmaterial. Oder die Forderung, dass E-Book-Preise immer dem Preis eines Hardcovers entsprechen müssen.

Dazwischen stehen die Produzenten. Sie führen eine Schlacht an zwei Fronten. Einmal müssen sie, als freiberufliche Unternehmer, ihre Forderungen immer gegen die Verwerter durchsetzen und dort kämpfen einige mit ziemlich schmutzigen Tricks um möglichst wenig vom Kuchen an die eigentlichen Produzenten abgeben zu müssen. Schon die Forderung nach einem Prozent mehr Autorenbeteiligung beim nächsten Buch - in einer Reihe die sich wie geschnitten Brot verkaufte - führte in einem mir bekannten Fall dazu, dass der Verlag sich doch lieber einen anderen Autoren ins Haus holte. Ein Prozent mehr Autorenbeteiligung bedeutet selten mehr als ein paar Cent pro Buch.

An der anderen Front kämpfen zu viele Produzenten gegen die Konsumenten - die eigentlich ihre Freunde sein sollten. Einige Produzenten lassen sich von der Content-Industrie vor den Karren spannen, wie beispielsweise Metallica, die ein sehr restriktive Politik gegen Filesharer befürworten oder Madonna die reichlich übertrieben mit einem Staubsauger dagegen protestierte, dass ihre Videos auf Youtube gepostet werden. Einen ähnlichen Effekt hatte die Heidelberger Erklärung für den Buchbereich.

Dadurch wird die Position der Produzenten bei den Konsumenten nicht besser. Diese übertragen das Gefühl des Übervorteilt-Werdens von der Content-Großindustrie auch nahtlos auf alle Produzenten. Dazu kommt ein gerütteltes Maß an Legendenbildung über die neuen Möglichkeiten des Internets die alle(!) alten Vertriebswege überflüssig machen sollten und - wie man den Kommentaren zu meinem Artikel unschwer entnehmen kann - auch ein nicht geringes Maß an Ignoranz und Arroganz dem Produzenten gegenüber.

An diesem Punkt unterscheidet sich die Content-Großindustrie erstaunlicherweise nicht vom Konsumenten mit Extremansichten. Beide halten den Produzenten für das Mitglied einer gesichtslosen Masse, dessen Produkte von zweifelhafter Qualität sind, die sowieso überbezahlt sind und sich mit dem hart erarbeiteten Geld des Konsumenten ein Schloß auf Ibiza kaufen.

Zur Verteidigung der Konsumenten führe ich an, dass ihnen im Allgemeinen nur die großen Namen wirklich bekannt sind. Sei es J.K. Rowling, die Gerüchten zufolge inzwischen reicher als die Queen von England ist, sei es ein "Spice Girls"-Sternchen, dass sich mal eben ein Schloß zulegt oder Elvis mit Graceland.

Die große Masse der Produzenten wird nicht reich, kann sich aber selbst erhalten. Hier geht es nicht darum Luxus zu finanzieren, sondern auch Kulturarbeitern menschenwürdige Bezahlung für ihre Arbeit zuzugestehen ohne gleich alles krampfhaft zu subventionieren, dass sich Kultur nennt.


Das große Problem in der Diskussion zum Urheberrecht, beziehungsweise dessen Umbau, ist dass die drei beteiligten Gruppen nicht miteiander reden.

Die Content-Großindustrie ist es gewohnt Preise diktieren zu können und dass das Geschäft auch ohne Austausch mit dem Konsumenten läuft. Sie ist gewohnt, das Spiel über den Mangel zu diktieren. Auf eine Zeit ohne Mangel sind sie nicht eingestellt und derzeit sehen viele von ihnen den Weg der Justiz als gangbar um die 'alte Ordnung' wiederherzustellen.

Die Produzenten waren es gewohnt vor sich hinzuwurschteln. Konsumentenkontakt gab es ehemals höchstens durch Fanpost und schon Interviews geben oder Live-Konzerte galt als Beziehung. Alles meist gefiltert durch die Industrie als Zwischenglied und Vermittler. Viele Produzenten bemerken jetzt erst so langsam, dass sie auch direkt mit ihren Lesern oder Hörern sprechen können und gehen damit noch unbeholfen um. Zudem übersehen sie oft die eigene zweite Rolle. Produzenten sind immer auch Konsumenten und können nicht selten erstaunlich schnell und unreflektiert von einer Rolle in die nächste umschalten. Da passiert es durchaus, dass sich ein Textarbeiter, der sich wenige Sekunden zuvor über Urheberrechtsverletzungen an eigenen Texten ereiferte, im nächsten Moment darüber beschwert dass ein Fotograf für das online genutzte Promofoto auf einmal zusätzlich bezahlt werden will, wenn das Foto den Klappentext eines Buches zieren soll.

Die Konsumenten leben in einer Welt, die durchdrungen ist mit Kultur. Dass ein Radiosender um Mitternacht das Programm abschaltet und man dann auf die Musik angewiesen ist, die man zuhause hat - sei es auf Schallplatte oder 'illegal' im Radio mitgeschnitten, das ist heute unbekannt. Nahezu jegliches Gut populärer Kultur kann rund um die Uhr ohne Hindernisse besorgt und konsumiert werden. Radioprogramme senden rund um die Uhr, das Fernsehen ebenso. Es gibt nicht nur Videotheken mit Öffnungszeiten, sondern Online-Videotheken und Bücher die noch nicht als E-Book verkauft werden, finden sich ziemlich wahrscheinlich im Torrent. Das Musik, Filme und Bücher aber ebensowenig aus dem Torrent kommen, wie Strom aus der Steckdose oder Milch aus dem Kaufladen, machen sich die wenigsten bewusst. Ebensowenig, dass auch die theoretische Verfügbarkeit einer Armee von Hobbymusikern, -Filmern und -Autoren diese Durchdringung des Alltags mit Kultur, die wir heute als selbstverständlich empfinden, nicht garantiert.


Bevor das Urheberrecht gerecht umgestaltet werden kann, müssen sich alle beteiligten Parteien über mehrere Dinge klar werden:


  • Kein Glied der Kette ist überflüssig. Weder die Kunden, noch die Produzenten noch die Verwerter werden überflüssig werden. Allem freien Internet und allen Visionen zum Trotz.

  • Die Verwerter würden sich mit dem Gedanken anfreunden müssen, gut zu verdienen aber nicht in obszönen Margen. (Wobei es nur ein kleiner Teil der Verwertungsindustrie ist, der wirklich obszön viel verdient. Für kleine Labels, kleine Verlage, kleine Filmfirmen gilt was für den durchschnittlichen Produzenten gilt. Sie verdienen nicht mehr und nicht weniger als der Durchschnitt im unteren Mittelfeld.) Sie wird sich auch damit abfinden müssen, das Kultur eben kein 'Geschäft wie jedes andere' ist, sondern eine gewisse Verantwortung der Gesellschaft gegenüber damit verbunden ist.

  • Die Produzenten müssen sich mit dem Gedanken anfreunden, dass ihr Leben auch in Zukunft kein Ponyhof sein wird. Der Markt wird vermutlich noch fragmentierter sein, als es jetzt schon ist. Neue Möglichkeiten bringen immer auch neue Schwierigkeiten mit sich. Sie werden sich auch daran gewöhnen müssen, möglicherweise nur noch von den Konsumenten bezahlt zu werden, die ihre Produkte auch tatsächlich konsumieren und mögen. (Buchverkäufe z.B. bilden nicht ab, welche Bücher tatsächlich gelesen werden. Noch weniger Downloadraten bei E-Books, Filmen oder Musik. Vieles wird in Hamsterlaune heruntergeladen und führt dann ein vergessenes Dasein in staubigen Ecken einer Festplatte.)

  • Die Konsumenten werden sich mit dem Gedanken abfinden müssen, dass Kunst und Kultur vielleicht frei sein soll, Künstler und andere Wissensarbeiter aber eben doch nicht von Luft, Liebe und Applaus leben, sondern vom Brot für das sie beim Bäcker nicht weniger bezahlen müssen als alle anderen auch.
    Das zur Produktion von Kultur mehr gehört als 100 Affen vor hundert Schreibmaschinen zu setzen, ein paar Tasten am Synthie zu drücken oder etwas Farbe auf eine Leinwand zu klatschen. Das Wege gefunden werden müssen wie Künstler von ihrem Tun weiterhin leben können und dass das Wikipedia-Modell nur eine Ausnahme sein kann, aber nicht die Regel.



Schon seit Jahren versuche ich meinen Teil beizutragen, diese Gespräche in Gang zu bringen. Kollegen von Überreaktionen abzuhalten und ihnen zu versichern, dass die Konsumenten sie eigentlich gar nicht ausräubern wollen. Dank den Kommentaren in diesem Artikel, ist meine Überzeugung selbst ins Wanken geraten. Dennoch versuche ich damit weiterzumachen. In alle Richtungen. Weil ich kann.

Und hier geht es demnächst weiter:


Posted by Mela Eckenfels

02/10/2011 at 21:01:25

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