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September '10



SWR3: Wie man Hörer (endgültig) vergrault

with 10 Comments

Ein offener Brief:

Liebe SWR3-Macher,

ich bin ja ein SWF3-Kind. 71 geboren, lief solange ich mich zurückerinnern kann, bei meinen Eltern SWF3 im Radio zuhause und SWF3 begleitete uns auf allen Autofahrten. Später, als ich so langsam in die Pubertät kam und mein eigenes kleines Radio hatte, war SWF3 meine Einschlafmusik und ich erinnere mich an Zeiten in denen noch nicht 24 Stunden durchgesendet wurde und ich nicht einschlafen konnte, weil der ARD-Sender vom Dienst irgendeinen fürchterlichen Schrott sendete.
Auch ein drohender Umzug in dieser Zeit, in Gefilde ausserhalb SWF3-Lands, schien genau deswegen vollkommen unerträglich.

Neue Schule? Neue Freunde? Zu ertragen. Ein Leben ohne SWF3? Undenkbar!

Doch irgendwann, beim Alter musste ich bald eine 2 vorne angeben, verliess ich die Gegend dann doch, sah andere gute Sender entstehen und vergehen (Rockradio B) und kehrte erst Jahre später ins Sendegebiet zurück um meine Sendergewohnheiten wieder aufzunehmen. Obwohl ich nicht mehr die Selbe war und SWF3 auch nicht.

Ich machte alles mit. Die Zusammenlegung mit SDR 3 und die - spürbaren - Qualitätseinbußen. Immer hip-fröhlichere Moderatoren und House-Geschraddel am Samstag abend. Sogar jenen unsäglichen Telefonterror-ich-stell-mich-dumm-Deppen, dessen Namen ich erfolgreich verdrängt habe und dem ich mein Ohr hoffentlich keine weiteren vergeudeten Lebensminuten mehr leihen muss. Auch ein eingeengtes Musikprogramm und mehr Hits on Heavy Rotation, statt gewohnt breiterer Fächerung. Auch minutenlang grässlich kreischende Gewinner irgendwelcher Reisen per Telefon eingespielt.

All das sorgte zwar für milde bis steigende Verärgerung, aber noch blieb ich treu.

Vor vier Tagen wurde ich auf einer ca. 1 1/2 stündigen Autofahrt in regelmässigen Abständen durch das 'coole' Handy-SMS BEEP BEEP genervt, immer wenn eine SMS im Studio eintraf, die Herr Moderator verlesen musste.

Das BEEP BEEP lässt einen nicht nur sofort nach dem eigenen Handy Ausschau halten, nein, es wird auch noch nervtötend überlaut - jedenfalls deutlich über der jeweiligen Sprech- und Musiklautstärke - eingespielt.

Dreht man das Radio leise, bohrt sich das BEEP BEEP störend durchs Hintergrundsäuseln, hat man es auf angenehmer Mitsing-Nachtfahrten-Lautstärke zerreisst es einen geradezu.

Auf der 1 1/2 stündigen Rückfahrt heute, nervte das BEEP BEEP sicher gute zehn Mal. Bis zum finalen Nerven, als ich ein schönes Lied gerade richtig laut gestellt hatte und das direkt auffolgende BEEP BEEP mich beinahe das Lenkrad verreissen liess.

Ich kündige hier nicht an, das ich den Sender wechsele wenn ihr den Scheiss nicht abstellt. Ich habs einfach getan.
Anderer Sender, gute Musik.. himmlische Ruhe.

Wenn man bei einem Hörfunkprogramm das 'coole' neudeutsche Wort 'Usability' verwenden kann.. eure ist unter die Schmerzgrenze gesackt.


In diesem Sinne: BEEP BEEP


Mela Eckenfels

Posted by Mela Eckenfels

02/29/2008 at 02:30:24

Posted in Annoyances

Last modified on 2008-03-04 00:48
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10 Comments to SWR3: Wie man Hörer (endgültig) vergrault

  1. Das BeepBeep ist wirklich schrecklich. Aber nicht allein: Als ich noch zwischen Mannheim und Frankfurt gependelt bin, habe ich SWR3 auch hassen gelernt. Die Wortbeiträge im Morgenradio waren meistens wirklich lustig, aber die Musikauswahl zum davonlaufen. Anscheinend existiert eine senderinterne Regelung, daß tagsüber nur aus einer Auswahl von maximal 15 Musikstücken ausgewählt werden darf, die auch untereinander sehr ähnlich sind und ähnlich furchtbar. Alle drei Monate wechselt die Playlist, aber die besonders nervigen Stücke bleiben ganz ganz lange drauf. Ich hatte damals schon eine spezielle Technik entwickelt um für die Dauer der Musikbeiträge einen anderen Sender, CD oder gar nichts zu hören. ;-) Inzwischen hör ich gar kein Radio mehr. So toll waren die Sketche auch wieder nicht und ohne Nachrichten kann ich eh besser schlafen.

    dyfa

    29 Feb 08 at 09:35

    Reply

  2. Ich war bisher auch Deiner Meinung: ganz nette Gags, aber extrem eingeengte Musik-Auswahl. Jetzt ist es aber schon zweimal passiert, daß der selbe Sketch dreimal an zwei aufeinanderfolgenden Tagen lief (morgens, abends, morgens). Erst Musik-Recycling, jetzt auch noch Gag-Recycling. Seufz!

    Liebe Grüße, Sus

    (Auch eine langjährige SWF3-Hörerin, die sogar noch eine Zeit vor dem Schwarzwaldelch kennt.)

    Sus

    02 Mar 08 at 13:25

    Reply

  3. Ist es nicht so wie bei vielem. Irgendwann wird man alt und das alte (hier Radiosender) wird neu.

    Frueher habe ich die Generation ueber mir nicht verstanden, heute verstehe ich die Generation(en) unter mir nicht mehr.

    Das sich da das Radio anpasst bzw. anpassen muss ist klar. Auch wenn es mir selbst nicht gefaellt. Radio ist wie mit den Medien im Allgemeinen geworden... Zappen tut man nicht mehr wegen der Werbung sondern in der Hoffnung eine minimal bessere, aber trotzdem schlechte Sendung zu finden... hat nicht SWF3 den Begriff zapp (was zu zapping wurde) kreiert? Jedenfalls koennte man das bei den Aenderungen fast meinen. ;-)

    Alternativen wurden hier ja leider nicht aufgefuehrt... das passt aber auch zur heutigen Generation...

    Foo

    29 Feb 08 at 13:01

    Reply

  4. Eine Alternative für mich ist - im Raum Karlsruhe - die "Neue Welle". Leider ist deren Sendegebiet nicht so groß wie das von SWR3, aber sie haben gute Musik und etwas weniger 'hippe' Moderatoren.

    Mela Eckenfels

    29 Feb 08 at 13:10

    Reply

  5. Mal sehen ob wir eine einfache Methode finden das Radio zwischen unseren beiden Sendern hin und her zu wechseln G (ich bin ja noch SWR3 abhängig).

    Aber ich hoffe dieses SMS gebeepse muss ich nimmer ertragen.

    Bernd Eckenfels

    29 Feb 08 at 23:22

    Reply

  6. Ah wo wir grade bei den Annoyances sind: wieso muessen die Regionalstudios von SWR3 unter der gleichen Senderkennung ausgestrahlt werden, mein Radio huepft da immer hin und her auf meinem Arbeitsweg, was besonders nervig ist bei den "Veranstaltungsankündigungen aus der Region".

    Bernd Eckenfels

    29 Feb 08 at 23:25

    Reply

  7. Meine Lösung: Podcasts hören.

    Da gibt's die erwünschten Satire-/Comedy-/Kabarett-Beiträge und auch komplette Sendungen der Radiosender, beliebig viele weitere Textbeiträge von Sendern, Firmen und Privatleuten, und man kann immer noch die eigenen Musiksammlung dazwischenspielen ==> eigenes Radioprogramm nach eigenem Geschmack.

    Es dauert zwar ein wenig, bis man die geeigneten Podcasts gefunden hat, aber das ist es schon wert.

    Im übrigen muss ich sagen, dass ich (Bj. 70) mit unserem hiesigen WDR2 einigermaßen zufrieden bin, auch wenn der Dudelfunk-Anteil über die Jahre schmerzlich spürbar zugenommen hat, tagsüber jedenfalls. DLF Köln ist auch ok, aber manchmal schon wieder zu textlastig. Immerhin kann man ja einzelne Sendungen auch als Podcast bekommen (Tip: "Computer und Kommunikation" vom Samstagnachmittag)

    Stefan

    01 Mar 08 at 10:20

    Reply

  8. Ich war auch jahrelang treuer SWF-/SWR3-Hörer (über 25). Auch ich habe die zunehmende Kommerzialisierung ertragen, habe gehofft, es würde besser, aber es wird immer schlimmer. Seit März d. J. wird noch viel schlimmer geclaimt (gestern Abend Club Dancenight; einzige Sendung die ich noch höre), fast nach jedem Lied und immer aggressiver (drrrrreiiiiiiiiiiii, der beste Musik-Mix usw.), es ist unerträglich. Habe gestern einen bösen Brief per Mail an die Redaktion geschickt (man sollte sich kurz halten). Habe ich nicht getan. Ich habe dieses Programm in meiner Mail zerrissen. So schlecht wie die ist ja nicht mal Privatfunk.

    Tipp: Wer Sat-Anlagen-Besitzer ist, hört am besten Radio 1 (ÖR, ORB). Kein nerviges geclaime, viel gute Musik (viele Albumtracks, ein paar aktuelle Hits und lang nicht mehr gehörte Klassiker. Herrlich. SWR 3 ist was für die Müllkippe.

    basti

    02 Mar 08 at 18:16

    Reply

  9. Ich wohne zwar im Sendegebiet eines anderen Senders aber es ist wohl überall die gleiche Sülze on Air. Deswegen höre ich schon lange nur noch Verkehrsfunk und sonst nur meine Lieblingsmusik von CD.

    Andreas

    04 Mar 08 at 00:48

    Reply

  10. Wir haben hier oben im Norden zwar kein SWR3, aber dafuer Antenne MV als Äquivalent. Und ein paar anderen "Die besten Hits aus den 60er, 70er, 80er und das neueste aus den 90er und die aktuellen Hits"-Sender mit nervenden Game-Show-Einlagen und penetranten Moderatoren und einer vorhersagbaren Playlist.

    Die Alternative für mich war schnell gefunden: NDR2 - das Beste am Norden. Es werden auch mal Titel abseits der Hitparaden gespielt, die man sonst eigentlich nie im Radio hört. Außerdem gibt es sehr schöne Sendeformate wie z.B. am Donnerstag abend. IMHO sehr empfehlenswert, zumal wenn man den gleichen Sender im gesamten Norden hören kann... :-)

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