Jean-Remy von Matt rudert zurück
Aber natürlich habe ich, nörgelig wie ich so bin, auch hieran wieder was zu nörgeln.
Vielleicht klang auch etwas Neid auf Euch durch, da die Form von Meinungsäußerung, die ich als Werbetexter seit über 30 Jahren betreibe, alles andere als frei ist: Jedes Wort wird vor der Veröffentlichung lange abgewogen, mit Auftraggebern verhandelt und dann noch repräsentativ auf seine Wirkung getestet.
Was hällt Herrn von Matt eigentlich davon ab quasi als Ausgleichssport ebenfalls zu bloggen?
Aber! Auch wenn die meiste Kritik an meinem Text konstruktiv und ernsthaft war, empfinde ich es als kommunikativen Hausfriedensbruch, dass eine interne Mail wie eine Sau durchs Dorf „Kleinbloggersheim“ getrieben wird.
Meinem Kenntnisstand zufolge war es keine private Mail, sondern ein Newsletter. Öffentlich ist öffentlich ist öffentlich.
...
Sollte es neben der Freiheit, eine Meinung zu verbreiten, nicht auch die Freiheit geben, eine Meinung nicht verbreitet zu wissen?
Nichts dagegen, aber wurde etwas erst mal öffentlich ausgesprochen - also die Büchse der Pandora geöffnet, ist es nur extrem schwer sie wieder zu verschliessen. Schadensbegrenzung ist alles was bleibt und Schadensbegrenzung stellt wohl auch diese Entschuldigung dar.
Kennt die Blogosphäre etwa keine Privatsphäre?
Diese wäre verletzt gewesen, wenn eine Horde Blogger mit Richtmikrofonen unterm Schlafzimmerfenster von Herrn von Matt auf der Lauer gelegen hätten. Haben sie aber nicht. Er hat seine Meinung ganz ungefragt herausposaunt.
Viele von Euch schreiben, ich hätte mit meiner Mail ein Eigentor geschossen. Okay, eins vielleicht. Aber wie viele Eigentore schießt ihr gerade, indem Ihr mein Schlagwort „Klowände des Internets“ teils empört, teils genüsslich aufgreift im Sinne eines Agenda Setting verbreitet? Bei Technorati.com war der Suchbegriff zeitweise auf Platz 3!
*:computer geek: /n./ 1. One who eats (computer) bugs for a living. One who fulfills all the dreariest negative stereotypes about hackers: an asocial, malodorous, pasty-faced monomaniac with all the personality of a cheese grater. Cannot be used by outsiders without implied insult to all hackers; compare black-on-black vs. white-on-black usage of `nigger'.*
Genauso verhält es sich auch mit den Klowänden.
Die Heuschrecken waren ein Symbol für das Abgrasen und Weiterziehen. Die Klowände sind ein Symbol für das Anpinkeln und Verpissen – für Meinungsäußerung im Schutz der Anonymität.
Komisch, die meisten maßgeblichen Blog sind alles andere als anonym. Haben oder wollen wir da was übersehen Herr von Matt?
So haben mich die meisten Eurer Beiträge sehr inspiriert und mir die virale Kraft dieser Medienform bewusst gemacht.
Oh, eine virale Kraft. Müssen wir uns nun geschmeichelt fühlen? Oder ist das eher ein gut verhülltes: "Ja, ihr habt Medien-Macht und deswegen hasse ich euch erst recht, ihr Säcke"?
Vergesst aber nicht, dass auch die Kommentare den Content eines Weblogs bestimmen. Und vor allem dort habe ich einiges gefunden, was meinem Vorurteil neuen Schub gab: Leute, das war teilweise unterste Klowand!
Genau. Und einige der Klowandigsten kamen von IPs aus dem von Mattschen-Imperium.
Stichwort: Jambern
Ansonsten: Nice try, Jean-Remy.
P.S. Der Don bringts auch mal wieder auf den Punkt.
2 Trackbacks to Jean-Remy von Matt rudert zurück
3 Comments to Jean-Remy von Matt rudert zurück
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Tja. Eine ernstgemeinte Entschuldigung enthält kein "aber", auch kein "Aber!" (das meines Erachtens auch in der Schweiz kein vollständiger Satz ist) und schon gar keine erneuten Beleidigungen an die bei denen man sich entschuldigt. Das was von Matt da abgeliefert hat, ist - trotz aller Hut-ab-Bekundungen - nichts als eine von einem Profi formulierte Presseerklärung zur Schadensbegrenzung. Immerhin. Denn das setzt zumindest die Erkenntnis voraus, daß man da zum eigenen Schaden vielleicht doch Müll geredet hat und nun meint die Blogosphäre beschwichtigen zu müssen. Und das ist das Mindeste was man von einem Medienprofi erwarten kann, aber noch lange kein Grund für Applausbekundungen.
An der grundsätzlichen und imho völlig richtigen Kritik zur DBD-Kampagne und den dafür zusammenphantasierten Kosten ändert aber auch dieser Mediengag nichts. -
Manueller Trackback:
http://www.jensscholz.com/2006_01_01_archive.htm -
Betr.: Unser aller Jean-Remy von Matt, oder "Remy-Demy vom Mattsch inne Birne".
Ich finde dem Mann wird entschieden zu viel der Ehre angetan, wenn man sich mit seinen Ergüssen ernsthaft auseinandersetzt.
Wie kann man jemanden ernst nehmen, der verantwortlich ist für diese neoliberale, menschenverachtende DbD-Kampagne und anschließend dreist und verlogen genug ist zu behaupten er sei noch immer ergriffen wenn er sich diese Spots ansieht?
Die einzige Ebene auf der man sich mit ihm auseinandersetzen könnte ist seine eigene, eben diese:
Jean Remy von Matt (Remy-Demy vom Mattsch inne Birne) Brief an die Mutter
Nachzulesen auf http://Fettisch.de - voll Fettisch!









allesroger.net
23 Jan 06 at 19:28
Coram Publico
24 Jan 06 at 19:23