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May '12



Liebe Piraten-Kandidaten

with 10 Comments

Wir müssen reden.

Nein, keine Bange. Keine große Sache, kein Drama, keine Welt- oder Parteiuntergangsankündigungen.

Es geht um eure Bilderauswahl.

Hä? Worum?

Ja, um eure Bilderauswahl. Die mit denen ihr euch um diverse Ämterin der Partei oder um die Aufstellung auf Wahllisten bewerbt.

Was damit ist? Ihr möchtet mit ihnen vermutlich eure Persönlichkeit zum Ausdruck bringen oder habt gerade kein anderes Bild griffbereit, aber ihr macht Menschen das Leben schwer. Zum Einen das Leben der Presse und der Pressebetreuer, die mit schlecht belichteten Schnappschüssen der letzten Party nichts anfangen können.

Zum anderen das Leben von Leuten wie mir. Die schon als kleines Kind andere Frauen als "Mama" angesprochen haben, nur weil die zufällig ähnliche Kleider trugen wie Mama eben. Man nennt uns auch "gesichtsblind" oder Prosopagnostiker.

Und uns tut ihr keinen Gefallen mit Bildern auf denen ihr das Gesicht laut lachend verzerrt, nur gerade so von der Seite zu sehen seid, große Sonnenbrillen, Hüte, oder Mützen tragt oder es gleich gar nicht zu erkennen ist weil ihr Fußball spielt.

Äh? Was das soll? Warum das jemanden kümmert der Gesichter sowieso nicht richtig erkennen kann?

Wir haben so unsere Strategien mit denen wir Menschen doch auseinander halten können. Ziemlich oft sind das z.B. eure typischen Bewegungsmuster (die sind fast so einmalig wie Fingerabdrücke) oder eure Stimme. Dabei helfen uns Fotos natürlich nicht. Aber wir sind durchaus in der Lage besondere Merkmale auch im Gesicht wahrzunehmen und euch daran wiederzuerkennen. Frisuren sind auch ganz toll und gerne würden wir alle Menschen dieser Welt dazu nötigen eine einmal gewählte Frisur ewig zu behalten und würden noch lieber uniforme Haarschnitte verbieten ... aber das klappt so natürlich nicht. Aber auch besonders buschige Augenbrauen oder eine auffällige Nase helfen uns euch aus der Masse 'gesichtsloser' Menschen herauszufiltern.

Nur müssen wir trainieren bis wir euch an diesesn Details erkennen und dabei hilft es uns euer Gesicht möglichst oft anzuschauen. Und zwar nicht, wenn es gerade irgendwie tätig ist, sei das nun essen, trinken, reden, lachen oder "Flunsch ziehen". Und wir müssen es von vorne sehen. Nicht im Profil, nicht über Kopf aufgenommen, nicht von unten und schon gar nicht halb verdeckt.

Dann und nur dann stehen für uns keine Fremden dort oben auf der Bühne, sondern wir können ihnen die Vorstellungen zuordnen, die wir vorher im Wiki gelesen haben.

Wir sind möglicherweise um die 2,5 % der Bevölkerung. "Es" tritt sehr gerne in Kombination mit (Asperger) Autismus auf. Asperger Autisten sind besonders häufig in IT-nahen Berufen zu finden. Die Piratenpartei rekrutierte sich zu Beginn vor allem aus netzaffinen, IT-nahen Menschen. Unter euren potenziellen Wählern dürften damit nicht wenige sein, die in unterschiedlich schwerer Ausprägung Probleme damit haben, euch zu erkennen. Ausser ihr helft ihnen.

Also ein Portrait, von vorne, gut beleuchtet, ohne Kopfbedeckung (sofern ihr sie nicht tatsächlich immer tragt), mit eurer normalen Frisur, mit normalem Gesichtsausdruck, das nicht mehr als 5 Jahre alt ist, ist doch nicht wirklich zu viel verlangt. Eben. Danke.






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Last modified on 2012-02-29 13:22


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10 Comments to Liebe Piraten-Kandidaten

  1. Ich kann die Kandidaten verstehen. Unsere Fotos drücken auch einen Teil unserer Persönlichkeit aus. Ein Kandidat mit einem farblos-seriösen Foto, dass zeitlos-konservativ auch in jede Bewerbungsmappe für artige Assistenzbubis geklebt werden kann, sind nicht das, was die Piraten sind.

    Denn es allen recht zu machen bedeutet, dass niemand auf seinem Foto lächeln darf, weil die Zulu in Afrika ein Lächeln, wo man die Zähne sehen kann, als Aggression verstehen. Und ein Biometrik-Scanner versteht ein Lächeln überhaupt nicht. Wir verzichten auch nicht auf farbige Kleidung, nur weil Blinde sowieso nichts sehen. Die MEHRHEIT der Piraten kann mit lebhaften, persönlichen Kandidatenfotos ganz gut leben. Jedenfalls besser als mit solchen Fotos, die man in jedem Reisepass findet. In einer Liste sehen Fotos, die du dir wünschst, einfach wie ein Karteikasten von Verdächtigen aus.

    Alles, was wir tun, machen wir eben nicht für Blinde, Taube, Rollstuhlfahrer oder Legastheniker, sondern für den ganzen Rest. Nicht aus Böswilligkeit, sondern weil sich der Aufwand, sich extra fein zu machen, für einen demokratischen Prozess, der nicht 100% der Stimmen erfordert, einfach nicht lohnt.

    Wenn du dir einen Kandidaten genauer anschauen willst, kannst du ihn ja um weitere Fotos bitten und er wird dir sicher gerne welche schicken. Für ein großes Publikum wirken Fotos, wie du sie für dich forderst, einfach nur sehr viel merkwürdiger und unpersönlicher als eben die, die sie in jedes Facebook-Album ablegen würden.

    Und es würde dir wie auch anderen nicht schaden, etwas weniger Wert auf Äußerlichkeiten zu legen und etwas mehr Wert auf Inhalte.

    Dhyfe

    29 Feb 12 at 13:22

    Reply

  2. Du möchtest dir, denke ich, die UNO-Behindertenrechtskonvention durchlesen.

    Zum letzten Satz:

    [ ] Du hast verstanden.

    Mela

    04 Mar 12 at 03:59

    Reply

  3. Hallo Dhyfe,

    ich kann Mela schon mit Ihrem Bedürfnis nachvollziehen. Oft genug war es in der Vergangenheit so, dass man die Kandidaten bei einem Parteitag nicht zuordnen konnte, da sie online nur unter ihrem Nick und bei dem Parteitag unter ihrem Realnamen aufgetreten sind. Ich kann mich an einen Parteitag erinnern, als ich ewig gerätselt habe, wer dieser Schlömer ist, der da vorne spricht, da ich das Gesicht einfach nicht zuordnen konnte.
    Die Aussage, dass Bilder eine Persönlichkeit wiedergeben mag zwar richtig sein, aber ehrlich gesagt interessiert es mich nicht. Ich persönlich habe ein extrem schlechtes Namesgedächtnis, und erinnere mich eher visuell an jemanden. Würde als Schlömer mal nicht schön auf der Bühne Fussballspielen, hab wohl nicht nur ich Probleme ihn seinem Bewerbungsprofil im Wiki zuzuordnen.
    Dass Mela hier die Größe zeigt, und ihre Gesichtsblindheit öffentlich macht, um auf ihr Problem hinzuweisen, Kandidaten zuordnen zu können kann man nicht mit deinem Wischiwaschi Geschwätz abtun. Grundsätzlich sollte jeder die gleichen Partizipationsmöglichkeiten haben. Insofoern wäre es ein deutliches Entgegenkommen, wenn sich Kandidaten sowohl mit Nick als auch Realnamen bei Ihrer Kandiddatur eintragen, als auch mit einem Bild nach gewissen Standards, zB eines wie man bei einer Bewerbung mit angibt. Menschen wie Mela können dann anhand gleicher Situation die individualen Merkmale herausarbeiten und somit ihre eigenen Strategien zur Wiedererkennung aufbauen. Und ich denke nicht dass das zuviel verlangt wäre.

    Wolfgang

    04 Mar 12 at 10:11

    Reply

  4. Hi Dhyfe,

    wer sowas schreibt: "Alles, was wir tun, machen wir eben nicht für Blinde, Taube, Rollstuhlfahrer oder Legastheniker, sondern für den ganzen Rest. Nicht aus Böswilligkeit, sondern weil sich der Aufwand, sich extra fein zu machen, für einen demokratischen Prozess, der nicht 100% der Stimmen erfordert, einfach nicht lohnt." kann nicht für die Piraten sprechen, jedenfalls nicht für mich.
    Leute die so denken sind mir suspekt. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

    Rainer

    RainPMV

    04 Mar 12 at 12:29

    Reply

  5. In einem Wiki sollte es doch möglich sein, zwei Bilder pro Person zu zeigen. Eins, wie sich die Piraten das so vorstellen, individuell, besonders, etwas darstellend, und ein seriöseres, das Menschen mit Gesichtsblindheit oder allgemein Problemen damit, sich Gesichter zu merken, hilfreich wäre.
    Und auch Plakate könnten so ein seriöseres Bild durchaus zumindest klein in der Ecke als Zusatz zeigen, dann hätten Prosopagnostiker zumindest die Chance, vor dem Plakat stehen zu bleiben und das kleine Bild auch anzusehen. Das muss ja nicht das raumfüllende, darstellende Bild sein vielleicht.

    Also einmal evtl. erst über Kompromisse nachdenken, bevor pauschal so etwas kommt:

    "Alles, was wir tun, machen wir eben nicht für Blinde, Taube, Rollstuhlfahrer oder Legastheniker, sondern für den ganzen Rest. Nicht aus Böswilligkeit, sondern weil sich der Aufwand, sich extra fein zu machen, für einen demokratischen Prozess, der nicht 100% der Stimmen erfordert, einfach nicht lohnt."

    fotobus

    04 Mar 12 at 14:45

    Reply

  6. Fotobus: Generell wollen wir auf "Köpfe" auf Wahlplakaten ja eher verzichten und auch nicht wg. Personen sondern wg. Inhalten gewählt werden. Da sehe ich die Frage wegen erkennbaren Fotos also gar nicht gegeben.

    Etwas anderes sind innerparteiliche Wahlen. Wäre halt schon knorke ohne dauerndes Nachfragen zu wissen, wer da oben auf der Bühne gerade ein paar coole Sachen sagt, oder den Vollhonk gibt.

    Mela

    04 Mar 12 at 14:51

    Reply

  7. Das mit den Plakaten schrieb ich, weil unten FBMri die freie Gestaltung dieser in Gefahr sah.
    Meinetwegen müssen auf Plakate keine Gesichter.

    Ich wollte zum Ausdruck bringen, dass es eben auch Kompromisse geben kann. Eins muss das Andere nicht ausschließen.
    Wobei man wahrscheinlich nie eine Barrierefreiheit für wirklich jeden Menschen erreicht. Aber man kann schauen, was so alles geht.

    fotobus

    04 Mar 12 at 15:02

    Reply

  8. Fotobus: Dem kann ich mich natürlich nur vollkommen anschließen.

    Mela

    04 Mar 12 at 16:01

    Reply

  9. ok ich fasse mal zusammen: du willst fotos in einem bestimmten "format", weil das prosopagnostikern helfen kann kandidaten wiederzuerkennen.

    das wäre ein gewinn für menschen mit gesichtsblindheit und ein verlust im sinne der 'freiheit' wie man fotos oder plakate gestaltet.

    wenn man konsequent weiter denkt, kommt man doch zu folgender frage:
    menschen haben die unterschiedlichsten einschränkungen. wie soll ein foto oder plakat letztlich aussehen, um möglichst vielen menschen zu genügen?

    eine weitere frage habe ich auch: warum konzentrieren sich prosopagnostiker nicht auf namen?

    und jetzt noch etwas kritik: ich finde es immer schwierig, wenn menschen ihr persönliches problem, das für wirklich viele leute einfach unbekannt ist, wie selbstverständlich in den mittelpunkt rücken um daran eine vielzahl von anderen menschen oder ganze gruppen zu kritisieren.
    dieses vorgehen ist natürlich nicht per se illegitim, aber auch nicht stets angebracht.

    FBMri

    04 Mar 12 at 12:58

    Reply

  10. UNSINN!

    Gesichtsblindheit tritt NICHT "gerne" in Zusammenhang mit dem Asperger-Syndrom auf!

    Hubbi

    16 Mar 12 at 22:40

    Reply

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