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Marxistische Mediävistik
Vielleicht hätte ich beim Ausleihen dieser Lektüre ...
... etwas aufmerksamer sein sollen. Im ersten Satz der Einleitung sprang mir nämlich der Begriff "marxistische Mediävistik" entgegen. Hoffentlich enthält es im Bezug auf die Geißlerzüge 1348/1349 dennoch genug Fakten um nützlich zu sein. Mir wird aber schon ein bisschen oft auf Klassenkampf herumgeritten.
Aber wie sollte ich mir Böses denken, wenn das Buch doch in der Universitätsbibliothek Karlsruhe steht!
Titel
Sozialreligiöse Strömungen im späten Mittelalter
Untertitel
Geißler, Freigeistler und Waldenser im 14. Jahrhundert
Autoren
Martin Erbstösser
Verlag
Akademie-Verlag Berlin
Erscheinungsjahr
1970
... etwas aufmerksamer sein sollen. Im ersten Satz der Einleitung sprang mir nämlich der Begriff "marxistische Mediävistik" entgegen. Hoffentlich enthält es im Bezug auf die Geißlerzüge 1348/1349 dennoch genug Fakten um nützlich zu sein. Mir wird aber schon ein bisschen oft auf Klassenkampf herumgeritten.
Aber wie sollte ich mir Böses denken, wenn das Buch doch in der Universitätsbibliothek Karlsruhe steht!
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10 Comments to Marxistische Mediävistik
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"Der Versuch marxistische Vorstellungen, Ansätze etc. aufs Mittelalter umzulegen, dürfte wohl scheitern"
Genau daran versucht der Autor sich aber sehr tapfer. Man muß ihn fast schon bewundern, wie er sich da abstrampelt. -
„Es steht im Internet in der Bibliothek, dann wird das ja wohl so stimmen!”
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gnarf, stellt euch das „im Internet” einfach durchgestrichen vor.
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Hui, Mädiävistik ist genau mein Ding. Herrlich.
Dieses Aufpfropfen einer aus mittelalterichen Sicht zukünftigen Philosophie, ist wahrlich seltsam. Allerdings ist es ironisch zu sehen, wie mittelalterliche und antike Einstellungen zur Textkultur, sprich Copy and Paste und der freien und lizenzlosen Verfügbarkeit von Informationen, die nun im Internetzeitalter eine Rennaicance erleben, werden von einigen Medienmogulen der alten Welt gerne als "Internetkommunismus" umschrieben. Da schließt sich hintenrum der unsinnige Kreis, da nun einmal im Mittelalter und in der Antike der Marxismus und der Kommunismus noch in weiter Ferne lagen.
Auch die Behandlung von Identitäten und Identitätswahrnehmung findet im Internet teilweise wieder zu mittelalterlichen Formen. Jedoch mit zeitgemäßen Vorzeichen und des religiösen Überbaus entledigt. Das Kollektive, die im Mittelalter normale soziale Einstellung (der Mensch wird über seine Gruppe und nicht über sein Individuum primär identifiziert), findet im Kommunismus/Marxismus und auch im Web unter verschiedenen Interpretationsansätzen der jeweiligen Zeit Eingang.
Es sind einfach immer wieder kehrende Schleifen, die Menschen dazu bewegen, ihre jeweilige Schleife mit einer aus der Vorzeit zu vergleichen.
Ich lachte. -
Auf jedenfall scheint die Menschheit auf einen sehr interessanten Weg zu sein. Ich beobachte im Moment, dass die Staatenzugerhörigkeit immer weniger eine Rolle spielt und die persönliche Definition tatsächlich über Interessen und Zugehörigkeiten erfolgt.
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Die marxistische Geschichtswissenschaft der DDR bis zu Luther ist der der BRD weit überlegen. Da hier tatsächlich noch mit marxistischer Theorie als Grundlage gearbeitet wird. Und das heißt: Kein "großer Mann", kein unerklärliches "Genie" treibt die Geschichte voran, sondern am Anfang der Analyse stehen die gesellschaftlichen Verhältnisse der Zeit, in denen Menschen agieren. Ab Luther gibt es eine sehr viel interessengeleitetere Forschung, sprich Vereinnahmung für die Daseinsideologie der DDR.
Die Leipziger Schule hat großartige wissenschaftliche Arbeit geleistet, ich begeistere mich gerade an Gottfried Koch, Frauenfrage und Ketzertum im Mittelalter.
Wäre gut, Marxismus nicht mit Stalinismus zu verwechseln!
Rosemarie -
Danke für deine Einschätzung, Rosemarie.
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Was erwartest Du denn bei "Akademie Verlag, 1970"

Den Satz "Die marxistische Geschichtswissenschaft der DDR bis zu Luther ist der der BRD weit überlegen." empfinde ich zwar als sehr verbohrt und eine Unverschämtheit, aber Recht hat sie damit, daß DDR-Geschichtsscheribung bzw. marxistische Geschichtsschreibung nicht gleich Schrott ist, sondern auf der Faktenebene genauso akurat (aber manchmal auch genau so schlecht) sein kann wie jede andere Geschichtsschreibung. Ob man dann das marxistische Paradigma hilfreich findet oder nicht, hängt von dem eigenen Blickwinkel und der eigenen Fragestellung ab (deswegen verwahre ich mich so gegen die Äußerung von Rosemarie, weil ein unterschiedlicher Forschungsstandpunkt nämlich zunächst mal nicht "gut" oder "schlecht" ist, sondern eben anders, allenfalls noch mehr oder weniger zweckdienlich). Man darf außerdem nicht vorschnell von marxistischen Wortgirlanden zu scharf auf den Inhalt zurückschließen, es gab in der DDR großen Druck auf den einzelnen Forscher seine Forschungen in systemkonformer Form zu präsentieren, da war zwei mal Marx in der Einleitung erwähnen sowieso Pflicht. Das tut der Seriosität der Forschung aber keinen Abbruch.
Eigentlich war das jetzt mal mehr ein Vorwand, mich mal zu Wort zu melden, am besten bei etwas, wo ich was zu sagen kann.
Ich liebe Dein Blog, auch wenn es mich immer noch etwas erschreckt, wenn ich jemand mit so ähnlichen Interessen (Computer, Rollenspiel, Piraten) treffe (auch wenn wir uns im Moment vermutlich bzgl. "Piratinnen" gut fetzen könnten.) Ist das Geschichtsinteresse rollenspielbezogen?


Nimm, es auseinander, zerpflücke dieses Buch und nimm was du gebrauchen kannst! Also mach das, was man als Wissenschaftler immer mit Sekundärliteratur machen sollte!
Lg Sturmfels