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February '10



Lebendiges Matriarchat?

with 6 Comments

Über einen Referrer bin ich auf einen spannenden Blogbeitrag gestoßen und darunter auf einen noch spannenderen Kommentar der Autorin selbst. Ich hoffe Hannelore ist mir nicht böse wenn ich sie hier fast komplett zitiere.

Ganz sicher bin ich mir nicht ob ich ihr gänzlich zustimme, aber ich finde ihre Ansicht absolut inspirierend.




Ok, Katze, ich stelle mal meine Sicht dar:

1. Matriarchat ist kein Feminismus-Thema und auch nichts speziell “Weibliches” oder gar Spirituelles. Es ist eine Sozialform, ein politisches Gebilde. So wie Demokratie, Sozialismus usw., Matriarchat ist herrschaftsfrei und deshalb eine Akephalie.

2. Matriarchale Sozialstrukturen werden im Web 2.0 umgesetzt, deshalb ist ja die derzeitige Entwicklung so schön.

3. Man kann nur etwas beurteilen, sich dem zu- oder abwenden, wenn man es kennt. Ich habe mich ein paar Jahre mit der Frauenbewegung und der Feminismustheorie beschäftigt, und teilweise Ideen übernommen. 2 Websites von damals stehen noch als Referenz im Web, und dahinter kann ich auch stehen.

4. Durch die Auseinandersetzung mit dem Thema Matriarchat musste ich mich zwangsläufig auch mit den Strukturelementen des Patriarchats auseinandersetzen und habe erkannt, dass Feminismus ja nur im Patriarchat vorkommen kann. Grund genug, mich davon zu distanzieren, den Feminist/innen sind per se patriarchal.

“Ich begrüße die Kehrtwende, das Weibliche zu benennen und sichtbar zu machen.” – Es ist keine Kehrtwende, denn ich habe nie damit aufgehört. Du würdest es beim Lesen merken, wenn es nicht so wäre.

Anfangs habe ich im Internet für die Zielgruppe “Frauen” geschrieben. Das habe ich aufgegeben, ich schreibe jetzt für die Zielgruppe “Menschen”.
Und das ist, was Feministinnen nicht tun, denn dann sind sie keine mehr.

Mir hat gut getan, was Mela Eckenfels von der Piratenpartei dazu sagte: “Ich möchte selbstverständliche Gleichberechtigung statt Feminismus. [...] Versteht das und versteht das wir ‘Frauenpolitik’ für ein Instrument des letzten Jahrhunderts halten, das Ungleichheit zementiert statt sie zu beseitigen. Von Feminismus ganz zu schweigen.”







Last modified on 2009-11-17 19:45
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1 Trackback to Lebendiges Matriarchat?

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  1. identi.ca

    11 Nov 09 at 14:04

6 Comments to Lebendiges Matriarchat?

  1. Danke fürs Zitieren, Mela :-)
    Das Thema 'Matriarchat' aufzugreifen ist echt mutig. Wenn du dazu Austausch/Info/Diskussion ohne Ideologie willst, ich stehe zur Verfügung.
    Zur Klarstellung: Ich beschäftige mich ausschließlich mit heutigen matriarchalen Gesellschaften, nicht mit "historischen, vor-patriarchalen". Ob das damals Matriarchate waren konnte ich nicht raus finden und ich halte es auch nicht für relevant.
    Aber von den friedlich-lebenden matriarchalen Zeitgenossen können wir lernen.
  2. Hmmm,

    das Matriarchat ist herrschaftsfrei? Also eine Unterform der Anarchie?
    Das wird aber auch ab und zu anders definiert.
    Worin unterscheidet sich denn das Matriarchat von anderen Anarchien?
    Mal abgesehen davon, gelten dann viele Kritikpunkte welche die Anarchie betreffen auch für das Matriarchat.
    Insbesondere dass es ein nicht erreichbares Ideal ist. Daher muss man dann abwägen wie viel Aufwand man betreibt um dem Ideal näher zu kommen.

    Aber sicher anarchistische Strukturen werden im Internet realisiert!
    Das ist zwar auch nicht unproblematisch, aber ich halte es insgesamt für gut. Sonst wäre ich kaum Pirat.

    Beim Punkt 4 bin ich fast komplett der gleichen Meinung. Feminist kann man nur sein wer sich auf das Patriarchat als Struktur berufen mag.
    Nur, natürlich kann Feminismus auch in einem Nicht-Patriarchat vorkommen. Dann wird einfach behauptet, es wäre ein Patriarchat. Im postulieren unwahrer Behauptungen und anschließend deren Tatsächlichkeit glauben sind wir Menschen richtig gut - wie man an vielen Religionen, Ideologien und Verschwörungstheorien sehen kann.

    Eike Scholz

    11 Nov 09 at 16:44

    Reply

  3. Eine kleine Ergänzung:

    Akephalie bedeutet nicht das es keine Herrschaft gibt, sondern nur das eine Bestimmte Form der Herrschaft nicht gibt, die durch Anführer. Macht und damit Herreschaft kann aber auch noch auf ganz anderen Faktoren beruhen.
    Das übersehen meines Erachtens wirklich einige Feministinen. Somit hat Hannelore Vonier natürlich recht wenn sie meint, dass man von solchen Gesellschaftsformen viel lernen kann.
    Nur, berücksichtigt man alle Formen der Macht, wird es halt schwierig zu begründen, warum Frauen in jeder Form des Patriarchats benachteiligt sind.

    Eike Scholz

    11 Nov 09 at 17:02

    Reply

  4. Eike, ich muss dich erst mal mit ein paar Links versorgen, um sicherzustellen, dass wir über das gleiche reden.
    Zitat: "Worin unterscheidet sich denn das Matriarchat von anderen Anarchien?"
    a) Matriarchat wird in der Soziologie auch als "regulierte Anarchie" bezeichnet. Aber auch anders, siehe http://matriarchat.info/herrschaftsfreiheit/segmentaere-gesellschaft.html
    b) ich kenne keine "anderen Anarchien" - in der Wikipedia gibt es unter dem Stichwort "Anarchie" einen Absatz http://de.wikipedia.org/wiki/Anarchie#Gesellschaftsordnungen_indigener_Kulturen . Solche Kulturen gibt es Tausende - mehr oder weniger ursprünglich, die haben matriarchale Sozialstrukturen und können auch ganz modern leben. Die sind interessant für uns und davon rede ich.
  5. @Hannelore Vonier

    Danke für die Links vorweg. Also ich muss sagen, dass ich die Bezeichnung als Matriarchat für die unter http://matriarchat.info/grundlagen/begriff-matriarchat.html beschriebene Gesellschaftsform unpassend finde. Regulierte Anarchie - mit bestimmten Eigenschaften - scheint mir besser zu passen. Ich bin gerade aber nicht zu Hause und kann nicht in meinen gesammelten Werken von Max Weber nachschlagen. Nun ich bin auch nicht ganz zufrieden mit dem Wort Patriarchat. Beide Wörter erzeugen eine zu starke Stereotypisierung von Männlichkeit und Weiblichkeit in Bezug auf Machtausübung. Auch wenn mir völlig klar ist, das dort signifikante Unterschiede zwischen den Geschlechtern statistisch Nachweisbar sind (- zur zeit zumindest).

    Ich habe als Naturwissenschaftler, speziell als Physiker, ein grundsätzliches Problem mit Anarchien. Wir leben in einer Gesellschaft, die sich ohne Hochtechnologie nicht Ernähren kann. Auch unsere lieb gewonnene Medizinische Versorgung können wir ohne diese nicht aufrecht erhalten.
    Die benötigte Technologie hat aber die Eigenschaft, dass sie meistens nur von sehr wenigen menschen betrieben und beherrscht werden kann. Das wirft definitiv ein Kontroll-Problem auf. An der deutschen Wikipedia kann man zur Zeit Beobachten, was passiert, wenn solche Systeme zu Anarchistisch sind - das anarchistische degeneriert bis man eine Machtelite hat.
    Meine These ist, dass das mit den meisten Hochtechnologischen Systemen die Anarchistisch verwaltet werden, ähnlich ist uns sein wird.
    Das Debakel von Wikipedia übertragen auf unsere Strom-, Wasser-, Nahrungs- und Gesundheitsversorgung?
    Das will ich nicht Mittragen - auch nicht das Risiko.
    Wir können also unsere technologischen Stand aus ethischen Gründen nicht aufgeben.

    Zwar denke ich, dass wir bestimmte Kulturtechniken aus dem Matriarchat für unsere Gesellschaft gewinnbringend adaptieren können und sollten.
    Aber ein Matriarchat können wir wohl kaum werden.
    Wer immer unsere Infrastruktur oder Teile davon beherrscht, hat faktisch Macht und kann Menschen damit erpressen.

    Darum wehren wir Piraten uns auch so mit Händen und Füßen dagegen in das Internet Strukturen einzubauen, die erlauben, es als Machtinstrument zu missbrauchen.
    Das Internet ist eine der wenigen Technologien, die eine solches Kontroll-Problem nicht haben müssen. Wir müssen es dann auch nicht künstlich einbauen. Schon gar nicht für Innenminister von rechtstaatlichen Demokratien.

    Eike Scholz

    13 Nov 09 at 12:13

    Reply

  6. test wegen spamschutz

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