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February '12



Standpunkte: Unter weiß-blauer Flagge

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An den Stammtischen unter dem weiß-blauen Himmel des schönen Bayern soll die Freiheit für (echte Bayern) grenzenlos sein. So wollen es die Wortführer und CSU-Mitglieder und legen damit eine Lunte mitten hinein in die angsterfüllte Gemütslage einer Generation von Rentnern und Frühvergreisten, die zu 85Prozent das wählt was der örtliche Pfarrer von der Kanzel predigt und stolz darauf ist.

Lebenserfahrung in Schulen, Universitäten und dem Job - sofern sie auf dem flachen Land sowieso überhaupt einen mies bezahlten Job in dem letzten, noch nicht unter dem Druck der Milchwirtschaft pleite gegangenen Bauernhof ergattert haben - liegt Äonen zurück. Aktuelles Wissen kommen aus den, für ihre schlechte Recherche verrufenen, Lokalblättchen und verantwortungslos verweigern sie sich dem breit gefächerten Wissen des World Wide Web.
Für die abgehängte Generation ist dies mit einer Kränkung des Egos verbunden.
Kaninchenzüchterverein, der Stammtisch, der Schützenverein und vor allem das öffentliche Ballern auf dem Schützenfest, geben ihnen das Selbstwertgefühl zurück.

Reaktionärer Befreiungsschlag gegen die normative Kraft des Faktischen im lebensbejahenden Alltag. Toleranz, gelebt - nein danke. Nicht von ungefähr hat die CSU mehr Anhänger, je weiter diese von der Zivilisation abgekoppelt sind. Für Massenhysterien muss man nur ein Volksfest organisieren.. oder Schwule und Schwarze ansiedeln.
Im Tempo der Steinzeit kommt hier der Fortschritt voran. Also beinahe gar nicht. Man führt große Worte von Freiheit und mein Frei-Flugbenzin, Frei-Bier und die Freiheit des Landes von Ausländern, Homosexuellen und allem was der Pfarrer nicht mag.

Der Staat mit seinen Vorstellungen von Säkularität und Menschenrechten hat sich aus diesem letzten Paradies gefälligst herauszuhalten.
Lieber möchte man doch weiter unter sich bleiben und auch die Bibelübersetzung abschaffen, denn am Ende könnte sich ja jemand seine eigene Meinung bilden und nicht auf das hören was der Herr Pfarrer sagt. Möchte von China als vorbildliches Land schwärmen und am liebsten gleich den Bau der chinesischen Mauer .. ach das hatten wir schon mal?

Anti-Toleranz bis zum Antagonismus. Damit kann man zwar eine Partei gründen, aber keinen Staat machen. Was ist eigentlich schief gelaufen das die Demokratie zum Selbstbedienungsladen ihrer Abschaffung instrumentalisiert wurde?
Gemeinwohl ist zum Fremdwort degeneriert.

Die ganze Gesellschaft funktioniert, bei Licht besehen, immer mehr nach dem Diktat des Primitiv-Darwinismus: Fressen, Unterdrücken was anders ist und alles kaputthauen das man nicht versteht.

Und die neuen Parteien in der Misere? Sie werden als Kämpfer für Killerspiele, Befürworter von Kinderpornographie oder als Spaßparteien wahr und längst nicht ernst genommen. Die gesellschaftliche Mitte mit der Verantwortung aller für alles erodiert. Immer mehr Bürger kehren der Demokratie den Rücken und fordern die Information einzuschränken, auf dass sie sich selbst nicht informieren müssen. Sie igeln sich in ihren analogen Landstrichen ein, auf das sie nichts sehen müssen was sie nicht verstehen wollen.

Das ist das wahre Fanal, das von den Haßparteien ausgeht.

Von einer Mitgestaltung der Informationsgesellschaft kann bisher jedenfalls keine Rede sein.

------------------


Sorry. Could not resist.

Dieser Beitrag ist eine Reaktion auf den Artikel Standpunkte: Unter Piratenflagge, welcher bei der "Mittelbayrische" erschienen ist. Und es ist eine Satire. Bevor falsche Vorstellungen aufkommen.



Posted by Mela Eckenfels

07/07/2009 at 03:46:00

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Last modified on 2009-07-08 02:25


5 Trackbacks to Standpunkte: Unter weiß-blauer Flagge

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  1. @felicea schreibt http://bit.ly/2IGti1

    isotopp

    07 Jul 09 at 07:40

  2. @felicea schreibt http://bit.ly/2IGti1

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  5. @felicea schreibt http://bit.ly/2IGti1

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    07 Jul 09 at 07:40

4 Comments to Standpunkte: Unter weiß-blauer Flagge

  1. grossartig... you made my day

    Olli

    07 Jul 09 at 07:42

    Reply

  2. Im Prinzip schon, aber mir fehlt so etwas der Lösungsansatz, zu mal es eigentlich zwei verschiedene Felder sind. Der Spezialfall Bayern und das "Ländliche".

    Was mich aber mittlerweile wirklich ärgert (no offense) ist die Verwendung der gleichen Stammtischparolen über Sportschützen, die die Computer-Spieler bei ihren Gegnern kritisieren. Nur weil man einen anderen Sündenbock an den Pranger stellt, geht ein Problem nicht weg oder wird gelöst.
    Insbesondere holt man so die abgehängte Bevölkerung nicht an den Tisch, um ihnen die "Augen zu öffnen" und ich kann sagen: Es würde funktionieren :-)

    Grüße
    Alex, ursprünglich aus einem kleinen Ort mit 300 Einwohnern, mitten in der Pampa, Forstwirtschaft, langjähriges Mitglied im Schützenverein (gewesen bis zum Umzug).

    Alex

    07 Jul 09 at 08:27

    Reply

  3. Lösungsansatz?

    Der Artikel war nie gedacht etwas anderes als eine überzeichnete und gewollt fehlerhafte Antwort auf den Artikel der Mittelbayrischen zu sein.

    Irgendwelche Lösungsansätze soll und will er nicht bieten.

    Mela

    07 Jul 09 at 08:45

    Reply

  4. Wenn ich so einen Dreck (Mittelbayrische, nicht Dein Artikel, Mela) lese könnte ich kotzen. Harald Raab ist für mich ein perfektes Beispiel für jemandem bei dem sein geistiger Horizont den gleichen Radius hat wie sein Stand*punkt* (geometrisch Herausgeforderte mögen die Definition des "Punktes" bei Wikipedia nachschlagen).

    Aber wie ich neulich schonmal irgendwo schrieb: was will man von der deutschen Medienlandschaft noch erwarten wenn sie zum Grossteil schon daran scheitert, dass die Piratenpartei nichts mit "The Pirate Bay" zu tun hat?

    Recherche, Kompetenz oder (Gott bewahre!) die Wahrheit leisten sich heute doch immer weniger Medien.

    Christian Land

    07 Jul 09 at 08:37

    Reply

  5. Hui... Als ich anfing, diesen Eintrag zu lesen, dachte ich: "Das ist aber schon sehr überzogen. So kann man sich doch nicht für eine Sache einsetzen und gleichzeitig ernst genommen werden."
    Dann fand ich heraus, dass er vom Wortlaut her so ziemlich dem Artikel von Herrn Raab ähnelt, nur halt ins Gegenteil verkehrt. Wobei ich jetzt natürlich hoffe, dass Herr Raab seinen Artikel ebensowenig ernst gemeint hat, denn sonst müsste ich annehmen, dass er einfach engstirnig und verbohrt ist...

    Guido

    07 Jul 09 at 09:40

    Reply

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