Freitags nachmittags führt man keine ungetesteten Änderungen am System durch
Freitags nachmittags führt man keine ungetesteten Änderungen am System durch.
Schlicht und einfach weil einem das System dann am Wochenende - wenn niemand so recht erreichbar ist - um die Ohren fliegt.
Diesen Grundsatz der Systemadministration hätten sich gleich zwei Unternehmen an diesem langen Osterwochenende wohl mal zu Herzen nehmen sollen.
Zuerst der Registrar, der die Geschäftsbeziehung mit dem Betreiber von wikileaks.de mal so eben am Donnerstag beendete ohne den Vertragspartner darüber angemessen zu informieren - so scheint es zumindest von aussen. Nachdem auch die berufliche Domain von 'Morphium' betroffen ist, entsteht auf jeden Fall durch deren Nichterreichbarkeit ein gewisser Schaden. Hier hofft man das der Registrar einen wirklich guten Grund hatte zu handeln wie er handelte und selbst dann bleibt der Zeitpunkt so eine Sache.
Direkt vor Ostern, also zu einem Zeitpunkt wo man nicht eben mal so schnell einen neuen Vertrag mit einem neuen Registrar schließen kann, der Dienst also mehrere Tage nicht erreichbar sein MUSS. Das spricht entweder für Dummheit, Versehen, einer unklugen Entscheidungen zwischen Tür und Angel oder Sabotage.
Aber man soll ja nicht an Sabotage denken, wenn das Ganze auch mit Dummheit, Versehen oder unklugen Entscheidungen erklärt werden kann.
Gerade erfahre ich über Besims Blog das der Registrar dem Kunden wohl fristgerecht zum 30. (31.?) März gekündigt hätte. Das verhakelt sich nun etwas mit der echten oder vorgegebenen Ahnungslosigkeit von 'Morphium' und bei mir bleibt die Frage des Timings.
Wenn der Vertrag Ende März auslief.. warum wurde die Domain nicht zum 1. April - also mitten in der Woche - in den Transit gebenen. Warum dieser seltendämliche Termin mit garantierter Ausfallzeit eine Woche später?
Der Einzige der von dieser Episode wirklich geschädigt werden dürften, ist wohl der Registrar. Denn dort bleibt ein schaler Beigeschmack von falschem Timing und mangelnder Kommunikation zurück, bei dem ich mir dreimal überlegen würde ob ich meine Domains nicht lieber in die Hände eines anderen Anbieters gebe.
Nicht weniger unbeholfen dämlich erscheint die Aktion von Amazon mal eben vor Ostern alle Bücher mit schwul-lesbischen, bisexuellen oder Transgender-Inhalten als 'adult' zu ranken und somit aus der öffentlichen Suche und den Bestsellerliste auszuschließen. Und wir reden hier nicht mal von Büchern bei denen es tatsächlich zur Sache geht. Es wurden Bücher (Fiction) ausgeschlossen die lediglich in einem entsprechenden Millieu spielen oder auch nur eine nicht-heterosexuelle Figur enthalten. Ebenfalls vom De-Ranking betroffen sind Bücher von Vergewaltigungs-Opfern oder Pro-Gay-, Pro-Lesbian-, Pro-Andere-Liebensformen-Sachbücher.
Möchte man nun nicht daran glauben das Amazon über Nacht von radikalen Christen übernommen wurde, bleibt auch hier erst mal die Vermutung das Entscheidungen falsch kommuniziert wurden oder dem Ranking-System falsche Informationen gefüttert wurden und - das ungeprüfte Änderungen am Nachmittag des letzten Arbeitstages husch husch vorgenommen wurden.
In der Zeit in der Amazon auf die Anfragen erboster Autoren und Interessengruppen mit Standardantworten reagiert und alle echten Ansprechpartner im Osterurlaub weilen, ist der maximale Schaden schon angerichtet.
Siehe den Twitter-Tag #amazonfail.
Davon abgesehen gibt es inzwischen Vermutungen das automatische Amazon-Rankingsystem könnte einem gezielten Angriff - d.h. "Trolling" - zum Opfer gefallen sein.
In beiden Fällen: Nichts genaues weiss man nicht. Wird es vielleicht auch nie wissen.
UPDATE: Stellungnahme des Wikileaks.de Ex-Registrars bei Netzpolitik
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